Katrin Müller-Hohenstein: Die Frau an der ZDF-Torwand

Katrin Müller-Hohenstein: Die Frau an der ZDF-Torwand

Katrin Müller-Hohenstein moderiert seit 2006 das „Aktuelle Sportstudio“ – ein Heiligtum der Männer.

Düsseldorf. Das Gefühl, mittendrin zu sein - das liebt Katrin Müller-Hohenstein. Den Duft des Rasens einatmen, den Gesängen der Fans auf der Tribüne lauschen und den Spielern beim Warmlaufen zuschauen. "Das ist tausendmal spannender als im Studio", sagt die 43-Jährige, die seit drei Jahren zum Kreis der ZDF-Sportmoderatoren gehört. Seitdem präsentiert sie nicht nur "Das Aktuelle Sportstudio" am Samstagabend, sondern berichtet auch live von Olympischen Sommerspielen, Fußball-Länderspielen oder Europameisterschaften.

Wenn sie von der imposanten Begegnung mit Basketball-Star Dirk Nowitzki (2,13 Meter) während der Olympischen Spiele in Peking oder von der Gänsehaut-Atmosphäre bei der EM 2008 erzählt, dann ist die Begeisterung in der Stimme der ehemaligen Radio-Moderatorin nicht zu überhören. "Da muss man wirklich manchmal aufpassen, nicht abzuheben", sagt sie völlig fasziniert, um einen Moment später fast entschuldigend hinterher zu schieben: "Aber eigentlich bin ich doch auch nur ein ganz normaler Fan."

Doch die Begeisterung in ihrer Stimme ist blitzschnell verschwunden, sobald ein Thema angesprochen wird. "Die Frage nach der Frau in einer Männerdomäne kann ich wirklich nicht mehr hören", sagt Katrin Müller-Hohenstein. Dann erklärt sie trotzdem professionell, dass bei einer Frau möglicherweise genauer hingeschaut werde, es von Seiten der Kollegen oder Sportler aber nie Vorbehalte gegeben habe. Damit ist das Thema für die beendet.

Skepsis war jedoch durchaus vorhanden, als Ende 2005 verkündet wurde, nach mehr als zehn Jahren werde wieder eine Frau "Das Aktuelle Sportstudio" moderieren. Carmen Thomas war 1973 die erste - und wurde dank ihres legendären Versprechers "Schalke 05" zur bekanntesten. Unter 32 Männern folgten vier weitere Frauen - bis 2006 eine kam, die kaum einer kannte: Katrin Müller-Hohenstein. 18 Jahre hatte sie beim Radio verbracht, dort von der Bundesliga berichtet und Sportgrößen interviewt, aber noch nie eine TV-Sendung moderiert. Trotzdem setzte sich die Wahl-Münchnerin gegen mehr als 60 Bewerberinnen durch. Bis heute ist ausgeblieben, auf was manche vor dem Bildschirm gewartet haben: Ein zweites "Schalke 05" oder ein anderer nennenswerter Patzer.

Viel Lob hat sie gleich nach ihrer ersten Sendung bekommen. "Immer locker, witzig, frech und unterhaltsam, dabei aber nie unter der Gürtellinie", lautete eine der zahlreichen Kritiken.

Doch Katrin Müller-Hohenstein, deren Abkürzung "KMH" zum Markenzeichen geworden ist, weiß auch, dass sie als Frau in einem solchen Beruf unter besonderer Beobachtung steht. So hat die "Bild"-Zeitung bei einer ihrer Moderationen aus Peking ganz genau hingeschaut und ihr für den "kürzesten Rock" die Goldmedaille verliehen.

"Das kratzt mich nicht weiter", sagt die Mutter eines 14 Jahre alten Sohnes, der aus ihrer ersten Ehe stammt. Derzeit ist sie Single, was gerne von der Boulevardpresse aufgenommen wird, um ihr unter anderem ein Verhältnis mit dem ZDF-Kollegen Johannes B. Kerner oder Fußball-Trainer Jürgen Klopp anzudichten. "Da ist überhaupt nichts dran", dementiert die 43-Jährige. Die "Bild", war es auch, die zu Beginn ihrer "Sportstudio"-Zeit ein Duell zwischen "Miss Sportschau" Monica Lierhaus und "Miss Sportstudio" inszenierte. "Das ist ziemlich albern", äußerte sie sich damals. Ein Herr Steinbrecher würde ja auch nicht neben einem Herrn Delling abgebildet.

Trotz allem liebt sie ihren Job, der ihr tolle Erlebnisse in Aussicht stellt: Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver und der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika möchte sie live dabei sein.

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