Ivanka Trump betritt in Südkorea ein politisches Minenfeld

Ivanka Trump betritt in Südkorea ein politisches Minenfeld

Die Tochter des US-Präsidenten besucht die Winterspiele. Nach Olympia droht der Konflikt mit dem Norden neu aufzuflammen.

Pyeongchang. Ivanka Trump in heikler Mission: Als die Tochter von US-Präsident Donald Trump am Flughafen Incheon eintrifft, gibt sie sich unauffällig, diplomatisch. Es sei eine „große Ehre“. Sie sei „aufgeregt“, das Team USA anzufeuern. Kameras rattern, als sie im weißen, warmen Pullover mit Jacke in schwarz-weißem Pepita-Muster vorsichtig lächelnd den Fotografen zuwinkt. Plötzlich wird die Sondergesandte des Weißen Hauses für die olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang aber ganz staatstragend: Mit ihrer Delegation wolle sie bei dem Besuch „unsere starke und anhaltende Verpflichtung mit dem Volk der Republik Korea bekräftigen“.

Die „First Daughter“ betritt ein politisches Minenfeld. Besonders nachdem Machthaber Kim Jong Un vor zwei Wochen seine Schwester Kim Yo Jong zur Eröffnung der Spiele geschickt hatte. Beide Frauen sind einflussreiche Beraterinnen der wichtigsten Gegenspieler, Kim und Trump. Beide vermitteln oberflächlich den Eindruck der Mäßigung in einem Konflikt, der Zehntausende Tote in beiden Koreas zur Folge haben könnte.

Von „Geheimwaffen“ ist die Rede. Aber alle Vergleiche hinken: Kim Yo Jong ist die Vertreterin eines repressiven Systems, das sein Volk wie eine Sekte fest im Würgegriff hält und die letzten Ressourcen des armen Landes für ein Atomwaffen- und Raketenprogramm aufbraucht, während es harten UN-Sanktionen unterworfen ist. Ivanka Trump dagegen repräsentiert — bei aller Kritik an der Politik ihres Vaters — den amerikanischen Traum, in dem jeder Freiheit genießt.

Olympia gibt nur eine Atempause. Spätestens wenn das olympische Feuer erlischt und die Paralympischen Spiele am 18. März enden, drohen die Spannungen wieder aufzuflammen. Die Taktik von Kim Jong Un ist durchschaubar. Mit seiner Einladung an Südkoreas Präsidenten Moon Jae In zu einem Besuch nach Pjöngjang versucht Nordkoreas Führer, einen Keil in die Sicherheitsallianz zu treiben. Moon ist sich der Gefahr bewusst. Eine Zusammenarbeit mit dem Norden ohne die Zustimmung Washingtons würde den Sanktionsmechanismus gefährden und alles aufs Spiel setzen.

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