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Zum umstrittenen Konzert in Düsseldorf: Prioritäten setzen!

Kommentar : Zum umstrittenen Konzert in Düsseldorf: Prioritäten setzen!

Marek Lieberberg hatte eine Schnapsidee. Deutschlands größter und erfolgreichster Konzertveranstalter wollte in der Düsseldorfer Fußballarena das Startzeichen zur Rückkehr in die Normalität geben.

13 000 Fans sollten mit Sarah Connor und Bryan Adams dem Leben eine Chance geben. Aber „Give Live a Chance“ wird wohl abgesagt. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens zieht es offenbar vor, der Vernunft eine Chance zu geben. Das wäre ebenso richtig wie beruhigend.

Denn angesichts immer noch steigender Zahlen von Neuinfektionen ist die Zeit für größere Zusammenkünfte ganz offensichtlich noch nicht gekommen. Vieles, was an Urlaubsgebieten und aus deutschen Innenstädten an Bildern durch die sozialen Medien geistert, erweckt mehr den Eindruck, dass die Pandemie ihren Schrecken verloren hat. Dabei ist sie da, und sie führt zu unangenehmen Notwendigkeiten. Wer will Zigtausenden von Schülern denn erklären, dass sie jeden Tag mit dem Mund-Nase-Schutz im Unterricht sitzen müssen, während in Düsseldorf 13 000 Leute eine große Party feiern? Das gilt, so schade das auch ist, ebenso für Spiele der Fußball-Bundesliga. Denn es mag ja noch möglich sein, in einem großen Stadion sämtliche Abstandsgebote einzuhalten. Aber schon die An- und Abreise der Zuschauer ist kaum kontrollierbar. Und das Nutzen der sanitären Anlagen in den Arenen bedarf eines Regelwerkes, das nur mit hohem Personalaufwand coronasicher organisiert werden kann.

Es ist noch nicht wieder die Zeit für große Veranstaltungen. Es ist Zeit, Abstands- und Hygienegebote zu befolgen. Es ist Zeit für Kontrollen und gegebenenfalls für Disziplinierung. Das erfordert konsequentes Handeln. Ein Bußgeld über 150 Euro anzudrohen, wenn ein Fahrgast im Bus keine Alltagsmaske trägt, ist das eine. Dazu gehört auf der anderen Seite aber auch jemand, der das Bußgeld verhängt, und das können sicher nicht die Busfahrer sein.

Wie tückisch Covid 19 ist, hat gerade erst Neuseeland erfahren. Nach 102 Tagen ohne jede Infektion sind nun wieder vier Fälle aufgetreten. Irgendwie ist das Virus auf die Insel zurückgekehrt Noch weiß niemand woher.

Es wird mithin nichts anders übrigbleiben, als Geduld zu üben und darauf zu hoffen, dass der in Russland zugelassene Impfstoff etwas taugt. Bis das bewiesen und ein Mittel gegebenenfalls flächendeckend in der Welt verteilt ist, gilt es, die richtigen Prioritäten zu setzen. Auf dieser Liste stehen Konzerte mit 13 000 Besuchern und Fußballspiele mit Tausenden von Fans bestimmt nicht ganz oben. Dort steht, dass Krankenhäuser, Seniorenheime, Kindergärten und Schulen virensicher funktionieren müssen.