Zeit der Entscheidung im Wulff-Prozess

Zeit der Entscheidung im Wulff-Prozess

Am Montag treffen sich die Anwälte des früheren Bundespräsidenten mit den Anklägern.

Hannover. Was ist dran an den Vorwürfen gegen Christian Wulff? War der einstige CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen und Bundespräsident wirklich bestechlich? Seit knapp 14 Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft. Nun könnte es eine Vorentscheidung geben, wenn Verteidigung und Anklagebehörde in Hannover zusammenkommen. „Am Montag werden wir schon mal etwas genauer sehen, wo es lang geht“, sagt Staatsanwalt Oliver Eisenhauer. Dabei geht es um die Frage: Zahlen oder streiten? Das ist die Alternative, die die Ermittler Wulff und dem mit ihm befreundeten Filmproduzenten David Groenewold lassen. Entgehen beide einem Gerichtsverfahren, indem sie mehrere zehntausend Euro zahlen?

Sie würden straffrei bleiben — doch ein Makel bliebe hängen. Oder wollen Wulff und Groenewold weiterkämpfen — für ein Ende der Ermittlungen ohne Wenn und Aber?

Offiziell geben sich alle Seiten vor dem heutigen Gespräch bedeckt. Am Freitag soll die Wulff-Seite laut „Süddeutscher Zeitung“ den Ermittlern einen Entlastungszeugen genannt haben — verbunden mit der Forderung nach einer vorbehaltlosen Einstellung der Ermittlungen.

Gemutmaßt wird, dass die Staatsanwaltschaft mit der Geldauflage einen Teilerfolg der bisher einmaligen Ermittlungen gegen einen früheren Bundespräsidenten erreichen will. Denn viele der gegen Wulff erhobenen Vorwürfe waren im Laufe der Ermittlungen ausgeräumt worden.

Was als Affäre um einen Hauskredit und Urlaubsreisen bei Unternehmerfreunden begann und Wulff das Amt kostete, reduziert sich nun im Kern auf Bestechlichkeit in einem ganz konkreten Fall. Es klingt eher dürftig: Groenewold soll für Wulff einen Teil der Hotelrechnung beim Münchner Oktoberfest 2008 übernommen haben — konkret geht es um 754 Euro.

Das Geld soll Groenewold beglichen haben, damit sich Wulff für die Förderung eines Filmprojekts einsetzt, vermutet die Staatsanwaltschaft. Sie hatte die Vorwürfe gegen beide im März verschärft: Groenewold soll Wulff auf diese Weise bestochen haben und nicht nur einen Vorteil gewährt haben. Damit hatte der Fall eine neue Wendung genommen. In der Öffentlichkeit meldeten sich Justizexperten zu Wort, die das Vorgehen der Ermittler als unangemessen kritisierten. Und selbst aus der seit einigen Wochen SPD-geführten Landesregierung kommen kritische Stimmen.

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