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Berlin - Essen: Wie ein Kartenhaus: Petra Hinz legt Mandat nieder

Berlin - Essen : Wie ein Kartenhaus: Petra Hinz legt Mandat nieder

Die SPD-Abgeordnete Hinz hat ihren Lebenslauf gefälscht.

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Berlin. Der Ruf, der Petra Hinz im Parlament umgab, hatte etwas vom berühmten Donnerhall. Im Bundestag stauchte die SPD-Abgeordnete aus Essen, immerhin Mitglied des Haushaltsausschusses, andere Abgeordnete auch schon mal ordentlich zusammen. Die Zeiten sind nun vorbei. Ein extrem geschönter Lebenslauf hat ihre politische Karriere jäh beendet. Am Mittwochnachmittag legte die Genossin ihr Mandat nieder.

Hinz hatte über Jahrzehnte angegeben, 1984 ihr Abitur gemacht und von 1985 bis 1995 Rechts- und Staatswissenschaften studiert sowie zwei Staatsexamina absolviert zu haben. Anschließend will sie als Juristin gearbeitet haben. Hinz ist seit 2005 Mitglied des Parlaments. Das stimmt, der Rest nicht. Der war geflunkert, gelogen, gefälscht, wie immer man auch will. Auf der Internetseite des Bundestages, auf der man die Biografien der Abgeordneten nachlesen kann, war die Schummelei am Mittwoch bereits aus Hinz Lebenslauf gestrichen. Ebenso von ihrer eigenen Homepage. Und die Facebook-Seite der SPD-Frau konnte nicht mehr aufgerufen werden.

Denn nach Medienberichten fiel ihr Lügengebäude plötzlich wie ein Kartenhaus zusammen. Hinz schaltete schnell einen Anwalt ein, der mitteilte, sie bitte "all die Menschen, die ihr vertraut haben, und auch die allgemeine Öffentlichkeit von ganzem Herzen um Entschuldigung". Hinz habe zwar im Jahr 1983 ihre Fachhochschulreife erworben. Sie habe jedoch weder ihr Abitur gemacht, noch ein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und außerdem keine juristischen Staatsexamina abgelegt, heißt es in der Erklärung ihres Anwaltes. Nachzulesen auf Hinz Internetseite. In der Rückschau wisse sie nicht mehr, welche Gründe sie zu den falschen Angaben veranlasst hätten. So der Anwalt.

Trotz der Erklärung war der Ärger übergroß. Enttäuscht sei man, hieß es aus der SPD-Bundestagsfraktion. In der Partei, so Parlamentsgeschäftsführerin Christine Lambrecht, zählten "nicht Hochschul- und Studienabschlüsse, sehr wohl aber Vertrauen und Glaubwürdigkeit". Hinz müsse nun "alles Erforderliche" tun, um weiteren Schaden abzuwenden. Eine volle Breitseite gegen die Kollegin. Der Druck wurde übermächtig. Am Mittwochnachmittag nahm Hinz dann Abstand von ihrem Plan, noch bis zur Bundestagswahl 2017 weiterzumachen. Sie legte ihr Bundestagsmandat nieder.

In der SPD-Fraktion ging die Sorge um, der Fall könnte zum Sommerlochfüller werden. Auch, weil noch etwas Pikantes kommt hinzu: Es gab Gerüchte und anonyme Beschuldigungen gegen die 54-Jährige, sie behandle ihre Mitarbeiter schlecht, auch seien die Arbeitsbedingungen in ihrem Büro unerträglich. Diese Vorwürfe wies Hinz klar zurück, sie sind auch nicht bewiesen.

Dass vereinzelt Abgeordnete aller Fraktionen nicht nur vorbildliche Chefs sind, hört man ab und an in Berlin. Mitunter sollen bei Stellenausschreibungen von Abgeordneten sogar Warnungen kursieren, sich lieber nicht zu bewerben. Ob's stimmt? Auch im Bundestag brodelt halt öfter mal die Gerüchteküche. Wie anderswo auch.