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Weiße Partikel im Impfstoff: Novartis ruft Chargen zurück

Weiße Partikel im Impfstoff: Novartis ruft Chargen zurück

Italien, dann Österreich und die Schweiz — am Donnerstag wurden auch in Deutschland Chargen des Herstellers Novartis zurückgerufen.

Langen. Neuer Ärger um Grippeimpfungen: Nach den Lieferengpässen in Norddeutschland und Bayern gibt es jetzt Qualitätsprobleme. Möglicherweise sind die Mittel des Schweizer Pharmakonzerns Novartis verunreinigt. Betroffen sind Deutschland, Österreich, die Schweiz und Italien. Das Unternehmen bezeichnete die Impfstoffe als sicher.

Am Donnerstag wurden in Deutschland vier Chargen des Impfstoffs Begripal und eine Charge des Impfstoffs Fluad aus dem Verkehr gezogen. Wie verbreitet die Verwendung von Begripal bei Ärzten in der Region ist, konnte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein nicht sagen. Es gebe hier keinen Rabattvertrag der Kassen mit Novartis. Ärzte können auf Impfstoffe verschiedener Hersteller zurückgreifen.

In Italien waren weiße Partikel in den Spritzen entdeckt worden. Die Gesundheitsbehörden des Landes hatten daher den Verkauf wegen „möglicherweise gesundheitsgefährdender Qualitätsmängel“ untersagt. Bislang seien aber keine Beschwerden bekannt.

Zwar seien solche Ausflockungen in Deutschland bisher nicht beobachtet worden, teilte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit. Als „Maßnahme der Risikovorsorge“ würden dennoch alle Chargen zurückgerufen, bei denen solche Ausflockungen während der Produktion des Impfstoffs aufgefallen seien.

„Diese Maßnahme dient dem Schutz der Patienten vor möglichen Nebenwirkungen“, hieß es weiter. Nach Verabreichung der ausgeflockten Impfstoffe könnten innerhalb weniger Stunden Unverträglichkeiten auftreten, zum Beispiel allergische Reaktionen. Bisher habe das Institut aber keine Meldungen über schwere Reaktionen erhalten.

In Deutschland sind 16 verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe in diesem Winter zugelassen. Insgesamt wurden laut PEI 14,2 Millionen Einzeldosen freigegeben. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker kritisierte „das andauernde Grippe-Impf-Chaos“.

Laut einem Gutachten des Herstellers sind die Partikel in den Impfstoffen unproblematisch. Novartis-Konzernchef Joseph Jimenez beteuerte gestern, die Impfstoffe seien sicher und wirksam.

Experten halten die Grippeschutzimpfung trotz der Probleme weiterhin für sinnvoll. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin empfiehlt die Impfung insbesondere Älteren, chronisch Kranken und Schwangeren. Denn bei ihnen kann eine Grippeinfektion zu schweren Komplikationen führen. Der beste Zeitpunkt ist dem RKI zufolge ein Termin im Oktober oder November. Nach der Impfung ist der Schutz in zehn bis 14 Tagen aufgebaut, die Gefahr einer Grippewelle gilt ab Mitte Dezember als besonders hoch.

Wer geimpft ist, kann allerdings nicht unbedingt davon ausgehen, ganz gesund durch den Winter zu kommen. Vor Erkältungen beispielsweise schützen die Impfstoffe nämlich nicht. dpa/stk