Was das Rentensystem in der Zukunft noch taugt

Analyse : Was das Rentensystem in der Zukunft noch taugt

Eine Studie zeigt auf, dass viele deutsche Rentner mit ihren eigenen Bezügen zufrieden sind, doch starke Zweifel an der Zukunft des Rentensystems haben.

Die meisten Rentner in Deutschland sind zufrieden mit ihren gesetzlichen Altersbezügen. Auf der anderen Seite gibt es allerdings starke Zweifel, ob das geltende Rentensystem für die Zukunft taugt. Zu diesem zwiespältigen Befund kommt das Allensbach-Institut in einer aktuellen Untersuchung, die im Auftrag der arbeitgebernahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ entstanden ist. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie beurteilen die Rentner ihre Lage?

Überdurchschnittlich positiv. Nimmt man die Gesamtbevölkerung, dann sind laut Allensbach 50 Prozent mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage zufrieden. Unter den Rentnern sind es sogar 57 Prozent. Noch vor zehn Jahren war jeder sechste Rentner mit seinen materiellen Verhältnissen völlig unzufrieden.  Heute sagt das nur noch etwa jeder achte. Eine Ursache für diesen Trend ist der lang anhaltende Wirtschaftsaufschwung, der sich auch in spürbaren Rentensteigerungen  niederschlägt. So haben sich die gesetzlichen Altersbezüge seit 2015 in den alten Ländern um knapp 15 Prozent erhöht. In den neuen Ländern betrug das Plus sogar gut 19 Prozent.

Woher rühren die Zweifel am Rentensystem?

Die Tatsache, dass demografisch bedingt immer weniger Beschäftigte immer  mehr Ruheständler finanzieren müssen, mindert das Zutrauen in die Sicherheit der Renten. Immerhin 79 Prozent der Bundesbürger sind hier skeptisch. Nur 15 Prozent glauben, dass die Renten auch langfristig gesichert sind. Von denjenigen, die noch im Erwerbsleben stehen, geht dann auch gut die Hälfte davon aus, sich im Alter einschränken zu müssen. Und etwa  jeder Achte befürchtet, seinen Lebensunterhalt dann nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten zu können.  Gegenwärtig bezieht nur gut jeder 30. Rentner in Deutschland zusätzlich staatliche Stütze (Hartz IV).

Wie denken die Bundesbürger über Altersarmut?

73 Prozent sagen, dass es vielen Älteren finanziell sehr schlecht gehe. Nur knapp ein Drittel kennt Altersarmut jedoch aus seinem persönlichen Umfeld (zum Beispiel aus der Nachbarschaft), wobei sich hier auch die  Vorstellung von Armut deutlich gewandelt hat. So war noch Mitte der 1990er Jahre für 23 Prozent der Bundesbürger die Armut auf den Fall der Obdachlosigkeit beschränkt.  Heute sagen das nur noch sechs Prozent. Für die Mehrheit beginnt Armut inzwischen nicht erst mit der Abhängigkeit von anderen oder gar dem Wohnungsverlust, sondern bereits mit ernsthaften Schwierigkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten und sich ständig einschränken zu müssen.

Was hilft gegen Altersarmut?

Hier haben die Bundesbürger klare Vorstellungen: 58 Prozent sind für eine Erhöhung des Mindestlohns, 61 Prozent für eine noch stärkere Berücksichtigung von Kinderziehungszeiten bei der Rentenhöhe, und 68 Prozent befürworten einen Zuschuss zur Rente für Personen, die trotz mindestens 35 Versicherungsjahren nur auf  sehr niedrige  Altersbezüge kommen. Das derzeit politisch diskutierte Modell dazu ist die Einführung einer Grundrente, die zehn Prozent oberhalb des staatlich garantierten Grundsicherungsbedarfs liegen soll. Konkret wird dieses Vorhaben von 80 Prozent der Befragten befürwortet. Den Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung, wie die sie SPD  fordert, lehnen jedoch zwei Drittel ab.