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Umstrittener Genmais steht vor der Zulassung

Umstrittener Genmais steht vor der Zulassung

Die gentechnisch veränderte Sorte 1507 sei gefährlich für Bio-Landwirtschaft und Umwelt, sagen Naturschützer.

Düsseldorf. Die Vertreter der EU-Staaten im „Rat für allgemeine Angelegenheiten“ entscheiden am Montag, ob die gentechnisch veränderte Maissorte 1507 auf Äckern der EU angebaut werden darf.

Die Entscheidung ist umstritten, es wird aber damit gerechnet, dass das Gremium zustimmt.

Innerhalb der großen Koalition, selbst innerhalb der Union, gibt es unterschiedliche Meinungen, weshalb sich Deutschland enthalten wird. SPD und CSU sind dagegen, die CDU aber in Teilen für die Zulassung.

Das US-Unternehmen DuPont-Pioneer beantragte des transgenen Mais 1507 in der EU. Transgen bedeutet, dass in das Erbgut der Pflanze stabile Gene anderer Organismen eingebaut wurden, die bei der Fortpflanzung weitergegeben werden.

In dieser Sorte sind zwei Merkmale enthalten. Das eine stammt aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis (BT) und produziert in allen Zellen ein für Insekten tödliches Gift.

Das andere Gen aus dem Bakterium Streptomyces viridochromogenes bewirkt eine Resistenz gegen das für alle anderen Pflanzen tödliche Gift Glufosinat. Letzteres ist ein Total-Herbizid, das alle grünen Pflanzen tötet.

Da das Insektengift in jeder Zelle der Pflanze produziert werde, erklärt Gentechnik-Experte Dirk Zimmermann von Greenpeace, wirke es nicht nur gegen den Schädling der Nutzpflanze, den Maiszünsler. Er befürchtet eine Schädigung auch für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Zur Wirkung der BT-Gifte gebe es große Wissenslücken.

Die Resistenz gegen das Herbizid könne zu unkontrolliertem Mehreinsatz des an sich schon umstrittenen Mittels Glufosinat führen — zumindest in der EU noch bis 2017, wenn dessen Zulassung ausläuft. In Deutschland ist das Mittel, das in Verdacht steht, auch den Menschen zu schädigen, bereits verboten.

„Außerdem besteht das Risiko, dass mit dem Anbau die gentechnik-freie Landwirtschaft gefährdet wird.“ Pollen könnten mit dem Wind verteilt, die neuen Merkmale unkontrolliert auf nicht gentechnisch veränderten Mais übertragen werden. Die transgene Pflanze wird also als Gefahr für Umwelt und Bio-Landwirtschaft eingestuft.

„Es herrscht große Hysterie in Deutschland“, sagt Peter Westhoff, Professor für Entwicklungs- und Molekularbiologie der Pflanzen an der Uni Düsseldorf. Transgene Pflanzen seien ein wertvolles Werkzeug der modernen Landwirtschaft und könnten helfen, besonders den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln zu minimieren. Für die Ernährung seien sie unbedenklich.

Die neuen Merkmale könnten zwar auswildern, aber nur auf Mais, was für normale Landwirtschaft irrelevant sei. Gerade BT-Pflanzen seien eine viel spezifischere Möglichkeit, gegen Schädlinge vorzugehen, als bisherige Insektenvernichtungsmittel. „Amerikanische Bauern verhalten sich bei transgenen Pflanzen viel rationaler.“