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Überlastete Krankenhäuser: Überfüllte Notaufnahmen: Müssen Patienten bald draufzahlen?

Überlastete Krankenhäuser : Überfüllte Notaufnahmen: Müssen Patienten bald draufzahlen?

Was hilft gegen Notaufnahmen am Limit? Ein Vorschlag sieht Gebühren für Patienten vor. Das gefällt nicht jedem.

Düsseldorf. Kostet es bald Geld, wenn Patienten sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandeln lassen? Oder wenn sie ohne Überweisung zum Facharzt gehen? Entsprechende Forderungen aus der Ärzteschaft werden immer lauter.

Dagegen formiert sich der Widerstand der Gesetzlichen Krankenkassen. „Wir sehen den Vorschlag kritisch, eine Patientengebühr zu erheben, wenn jemand ohne Überweisung einen Facharzt aufsucht“, sagt Prof. Christoph Straub, Chef der Barmer, auf Nachfrage dieser Zeitung. „Dasselbe gilt auch für mögliche Gebühren in Notaufnahmen.“ Die vor einigen Jahren abgeschaffte Praxisgebühr habe gezeigt, dass eine Steuerung der Patienten durch Negativanreize nicht zum gewünschten Erfolg führe.

DAK-Chef Andreas Storm urteilt ebenso: „Ich sehe eine Kontaktgebühr sehr skeptisch. Es besteht die Gefahr, dass medizinisch notwendige Arztbesuche unterbleiben und dass eine Selbstbeteiligung gerade einkommensschwache Menschen belastet“, so der Krankenkassenmanager.

Einige Kassenärztliche Vereinigungen (KV) sehen die Dinge völlig anders. Hessens KV-Chef Frank Dastych fordert „Zuzahlungen in den Fällen, in denen Patienten ohne vorherigen Kontakt zum ambulanten System oder ohne Indikation als Notfall die Notfallambulanzen der Krankenhäuser aufsuchen“. Diese Menschen blockierten die Notaufnahmen und schädigten vorsätzlich das Gesundheitswesen.

Angeheizt wird die Debatte zusätzlich vom Sachverständigenrat Gesundheit. In einem Gutachten schlagen die Experten eine Kontaktgebühr vor, wenn Patienten ohne Überweisung zum Facharzt kommen. Ausnahmen soll es für Augen-, Frauen- und Kinderärzte sowie Psychiater geben.

Zahlen belegen, wie überlastet die Notaufnahmen in den Kliniken sind: Jährlich werden dort etwa 20 Millionen Patienten behandelt, von denen lediglich 40 Prozent stationäre Versorgung brauchen. Sechs von zehn Patienten hätten also auch in Arztpraxen ambulant behandelt werden können. Folge dieser Fehlsteuerung: stundenlange Wartezeiten, die alle Beteiligten überfordern.

Dass die Notaufnahmen so oft überfüllt sind, ist ein Beleg für die Schwächen des derzeitigen Bereitschaftsdienstes. Der ist außerhalb der üblichen Sprechzeiten für die Versorgung zuständig, aber oft nicht bekannt. Wer nachts, am Wochenende oder an Feiertagen mit hohem Fieber, starken Rückenschmerzen oder Erbrechen zu kämpfen hat, sollte die bundesweit einheitliche und kostenlose Rufnummer 116 117 wählen. Dort gibt es Informationen, welche Ärzte in der Nähe Dienst haben. Bei Bedarf sind auch Hausbesuche möglich. Die 116 117 ist immer dann die richtige Nummer, wenn es um Erkrankungen geht, die nicht lebensbedrohlich sind, deren Behandlung aber auch nicht bis zum nächsten Tag warten kann.

Bei Lebensgefahr (Herzinfarkt, Schlaganfall, Vergiftung, starke Atemnot, schwere Unfälle) muss der Rettungsdienst unter der Rufnummer 112 alarmiert werden.