Türkische Zeitungen in Deutschland: Geschichten aus „Almanya“

Türkische Zeitungen in Deutschland: Geschichten aus „Almanya“

Türkische Zeitungen bauen die Berichterstattung in Deutschland aus. NRW ist dabei besonders wichtig. Ein Besuch in der Düsseldorfer Redaktion von "Zaman".

Düsseldorf. Seit Tagen gibt es in den türkischen Medien ein beherrschendes Thema: den NSU-Prozess und das Gerangel um die Plätze für ausländische Journalisten. Ob „Hürriyet“, „Sabah“ oder „Zaman“ — die Blätter beobachten die Vorgänge um die Morde an acht Türken und einem Griechen sowie einer deutschen Polizistin ganz genau und berichten meist schon auf der Titelseite. Ein Thema mit großem Erregungspotenzial — doch auch dem Alltag der Türken in „Almanya“ geben die Medien immer mehr Raum.

Wenn Mehmet Özcan aus seinem Büro blickt, hat er das politische Machtzentrum Nordrhein-Westfalens im Blick: rechts der Landtag, links die Staatskanzlei. Özcan hat die Räume an der feinen Adresse Ernst-Gnoß-Straße vor sechs Wochen bezogen. Er ist Leiter des NRW-Büros der Zeitung „Zaman“, die in der Türkei eine Million Auflage hat und in Deutschland 30 000. „Wir haben unsere Auflage hier in den vergangenen Jahren stark gesteigert. Es ist für uns ein Wachstumsmarkt. Wir gehen gezielt dahin, wo viele Türken und Türkischstämmige leben“, sagte Özcan.

Im Landtag ist „Zaman“ seit Monaten präsent, die Korrespondenten Fatih Aktürk und Husseyin Topel, die beide in Düsseldorf studiert haben, berichten regelmäßig auch über Themen, die nicht unmittelbar mit dem Thema Integration zu tun haben.

Die Artikel erscheinen auf türkisch in der türkischen Ausgabe. Von den 24 Seiten sind vier für Themen aus Deutschland reserviert. Gedruckt wird die komplette Ausgabe in Offenbach. Aber es gibt auch deutschsprachige Internetplattformen und dazu TV-Sender, die aus Düsseldorf mit Texten und Bildern beliefert werden.

„Für uns ist zum Beispiel das Thema Bildung ganz wichtig. Wir finden es schrecklich, dass die Hauptschule als reine Migrantenschule gilt. Hier muss etwas passieren“, sagte Özcan. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) wird sich in Kürze den Fragen stellen, sie ist zum Interview in das Redaktionsbüro geladen.

Die Konkurrenz von „Hürriyet“ hat bereits ein Gespräch mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) geführt, der Verlagsgeschäftsführer kam eigens aus Istanbul eingeflogen. Das Interview erschien in großer Aufmachung türkeiweit — die Dinge in Deutschland sind dort ein Thema.

In NRW alleine leben derzeit rund eine Million Türken, die Zahl der ehemaligen Gastarbeiter, die wieder in der Türkei leben und sich für das Geschehen in Deutschland interessieren, beträgt ein Vielfaches davon.

Seit geraumer Zeit hat die Landesregierung eine Gesprächsrunde mit ausländischen Medien etabliert, der Andrang ist groß. „Wir haben festestellt, dass sich dass Themenspektrum deutlich erweitert hat“, sagte Regierungssprecher Thomas Breustedt.

Özcan bestätigt das. „Wir verstehen uns als Mittler. Wir sind nicht der Meinung, dass die Pannen bei der Vergabe der Journalistenplätze beim NSU-Prozess ein Versagen der Justiz ist. Es waren Fehler. Wir haben aber Vertrauen in Deutschland.“

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