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Tracking-App: Wie die Corona-App funktionieren soll

Tracking-App : Wie die Corona-App funktionieren soll

Mitte April will Berlin eine Tracking-App starten, die bei der Coronavirus-Eindämmung helfen soll. Anonymität für die Nutzer garantiert.

Laut einer Umfrage hält jeder zweite Deutsche es für sinnvoll, wenn Kontaktpersonen von Infizierten über Handy-Daten geortet werden. Und inzwischen ist sich auch die Politik einig. Die Corona-App wird kommen. Bei der Umsetzung sind Experten offenbar auf der Zielgeraden. Um den 16. April herum will die Bundesregierung den Startschuss für die geplante neue Smartphone-App geben, die über Standort- und Kontaktdaten Infektionswege des Coronavirus aufspüren kann.

Dabei sah es anfänglich noch ganz anders aus. Ursprünglich hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, den Behörden den Zugriff auf die Telekommunikationsdaten Infizierter zu ermöglichen. Der Aufschrei war groß. Denn Spahns Plan klammerte die Einwilligung der Betroffenen aus, was ein tiefgreifender Einschnitt in die Freiheits- und Bürgerrechte gewesen wäre. Das Vorgehen erinnerte an China, das auf massive Überwachung per App setzt, ebenso wie Israel. Außerdem war der technische Plan des Ministers unausgegoren – die Erfassung sollte per Funkzellenabfrage erfolgen, die aber als extrem ungenau gilt.

Der politische Wind hat sich deutlich gedreht

Nun hat sich der politische Wind gedreht. Mittlerweile zeigen sich selbst diejenigen, die Gefahren für den Datenschutz sehen, aufgeschlossen für eine Idee, die Regierungssprecher Steffen Seibert in dieser Woche skizzierte: Eine elektronische Nachverfolgung von Infektionsketten per App auf freiwilliger Basis, die den Zugriff staatlicher Stellen auf die Daten ausschließt. Das, so Seibert, werde nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen neben der Ausweitung von Tests „ein wesentlicher Baustein“ zu weiteren Bekämpfung des Virus sein.

Die Arbeiten an der App laufen auf Hochtouren. Federführend auf deutscher Seite – es handelt sich um ein europäisches Projekt – sind das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Heinrich-Hertz-Institut (HHI) für Nachrichtentechnik in Berlin. Funktionieren soll es so: Wenn zwei Nutzer der App sich begegnen und längere Zeit nahe beieinander stehen, dann speichert die App die Daten des jeweils anderen auf dem Handy; allerdings als anonymisierte ID, nicht mit Namen und Ortsangaben.

Wenn ein Nutzer positiv auf Corona getestet worden ist, kann er seine Diagnose in der App melden. Die auf seinem Handy gespeicherte ID wird dann dem RKI und dem HHI übermittelt, freilich erneut als anonymer Wert. Dadurch wird es aber möglich, mit der App zu kommunizieren und die Liste der Handy-Nutzer, die mit dem Infizierten Kontakt hatten, abzurufen. Diese erhalten dann eine Push-Meldung. Wichtig: Auch sie bleiben anonym. Es erfolgt lediglich die Aufforderung, sich testen zu lassen und in Quarantäne zu bleiben, bis das Ergebnis vorliegt.

In der Koalition frohlockt man: „Ich bin überzeugt, dass viele diese App freiwillig nutzen werden, um sich und andere zu schützen“, so Bärbel Bas, Fraktionsvize der zuvor noch besonders kritischen SPD. Die App erstelle keine Bewegungsprofile. Seitens der Regierung hieß es: „Das ist eine von mehreren, die derzeit geprüft werden.“ Man suche „unter Hochdruck nach Lösungen“. Zumal es auch Haken gibt: Möglichst viele Menschen müssen die App herunterladen. Nicht alle Deutschen haben aber ein Smartphone – 2018 waren es etwas mehr als 70 Prozent. Außerdem ist die verwendete Bluetooth-Funktechnik, die jedes Handy für eine begrenzte Reichweite in einen Sender und einen Empfänger zugleich verwandelt, mitunter unsicher. Und was, wenn Nutzer eine Warnung enthalten, die nur für ganz kurze Zeit ein paar Meter von einem Infizierten entfernt gestanden haben?

Entscheidend wird freilich sein, dass sich die Menschen, die eine Push-Meldung erhalten haben, auch freiwillig in Quarantäne begeben, um auf einen Test und dann auf das Ergebnis zu warten. Ansonsten dürfte die App sinnlos sein.