Streit um dauerhafte Rückkehr zur Winterzeit

Zeitumstellung : Streit um dauerhafte Rückkehr zur Winterzeit

In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. EU-Kommission will Umstellung beenden.

. Eine Stunde länger schlafen, morgens früher hell, dafür nachmittags eher dunkel: In der Nacht zum Sonntag wird die Uhr wieder einmal eine Stunde zurückgestellt. Es ist ein seit Jahrzehnten übliches Ritual – bis Ende März gilt hierzulande dann die Winterzeit. Doch diesmal könnte es anders werden. EU-weit wird intensiv über die Abschaffung der Zeitumstellung diskutiert.

Im September hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, das Drehen an der Uhr abzuschaffen. Jeder Staat soll stattdessen ab 2019 selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will. Die Winterzeit entspricht der Normalzeit, also der gesetzlichen Zeit, die vor Einführung der Sommerzeit 1980 ganzjährig galt.

In einer EU-weiten, nicht repräsentativen Online-Umfrage sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die meisten plädierten für eine dauerhafte Sommerzeit. In Brüssel gingen 4,6 Millionen Antworten ein – ein Rekord für diese Art von Befragungen, aber immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Und: Allein drei Millionen Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Zur Überraschung vieler verkündete EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach der Befragung: „Die Leute wollen das, also machen wir das.“ Möglichst bis zur Europawahl im kommenden Frühjahr sollen Fakten geschaffen werden. Bis April sollen sich die Staaten überlegen, welche Zeit sie dauerhaft behalten wollen.

Einen Flickenteppich will Brüssel allerdings vermeiden. Für diesen Fall fürchtet die EU-Kommission negative Folgen für den Waren- und Dienstleistungsverkehr im Binnenmarkt. In jedem Fall müssen die Regierungen der Mitgliedsstaaten und das Europaparlament einer Neuregelung zustimmen.

Das bisherige Meinungsbild ist gespalten. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die Mitteleuropa eine Stunde voraus sind, haben sich für die Abschaffung der Zeitumstellung und dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen. Die Slowakei will permanente Winterzeit. Portugal möchte den halbjährigen Wechsel beibehalten.

Schlafforscher wollen dauerhafte Rückkehr zur Normalzeit

Für Deutschland hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar positioniert. „Die große Mehrheit der Menschen will nicht mehr alle sechs Monate an den Uhren drehen, die meisten wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit“, so der Politiker. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich noch nicht zu dem Thema geäußert.

Im Gegensatz zur deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Sie spricht sich für die Beibehaltung der Normalzeit aus – also gegen die dauerhafte Sommerzeit. Das Tageslicht sei der „Hauptzeitgeber“ für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. Und der werde am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Sommerzeit führe zu Schlafmangel sowie Konzentrations- und Leistungseinbußen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung