Spur von Bonn führt in die Islamisten-Szene

Spur von Bonn führt in die Islamisten-Szene

In der blauen Tasche im Bonner Hauptbahnhof befand sich zündfähiges Material — aber kein Zünder.

Bonn/Düsseldorf. Bewiesen ist noch nichts, aber wer die einzelnen Informationen aneinanderreiht, glaubt einen Terror-Plot zu erkennen: Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof, Pulver in einer abgestellten Tasche, Festnahme eines bekannten Bonner Islamisten. Vielleicht sind Bahnreisende am Montag einem Anschlag entgangen. Die Polizei warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen.

Bei dem nun festgenommenen Bonner Omar D. handelt es sich um denselben Mann, der 2008 mit seinem Freund Abdirazak B. aus einem startbereiten Flugzeug auf dem Flughafen Köln-Bonn abgeführt worden war.

Damals war berichtet worden, Omar D. und Abdirazak B. hätten über Amsterdam nach Pakistan fliegen wollen, um sich dort in einem Terrorcamp ausbilden zu lassen. Doch die Behörden hatten die Beweislage zu optimistisch eingeschätzt: Nach elf Tagen wurden Omar D. und Abdirazak B. wieder freigelassen, und eineinhalb Jahre später stellte die Bonner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen sie ein.

Diese Erfahrung dürfte mit ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich die Polizei am Dienstag mit Informationen zurückhielt. Aus Polizeikreisen hieß es, man verfolge viele Spuren. Die blaue Tasche von Gleis 1 gibt den Ermittlern außerdem Rätsel auf. Denn sie enthielt zwar zündfähiges Material in Form von Pulver, jedoch keinen Zünder. Und „ohne Zünder macht’s nicht Bumm“, brachte es ein Kölner Polizeisprecher auf den Punkt.

Viele NRW-Bürger bekamen die flächendeckende Fahndung der Polizei hautnah mit: Ob in Wuppertal, im Rhein-Kreis-Neuss, im Kreis Viersen, in Düsseldorf oder im Kreis Mettmann: An vielen Autobahnabfahrten führten Polizisten am Montag Abend Kontrollen durch.

Nach Medienberichten war Omar D. auf dem Weg zu seinem Anwalt. Der hat bereits mehrfach Salafisten aus Solingen vertreten, unter anderem auch die Konvertiten Robert B. (24) und Christian E. (29) aus Solingen, die im Juli 2010 bei der Einreise nach England in Dover unter Terrorverdacht festgenommen worden waren und Anfang Februar 2012 in London zu Haftstrafen von 12 und 16 Monaten verurteilt worden sind.

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