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SPD: Die Bewerbungsfrist für den Parteivorsitz endet am Sonntag

Bewerbungsfrist endet : Die SPD, das Spitzenpersonal und die Satire

Die Bewerbungsfrist für den SPD-Parteivorsitzendet an diesem Sonntag. Unter den vielfältigen Interessenten für diesen Posten ist in Jan Böhmermann sogar ein Satiriker.

Die schwierige Findung des künftigen SPD-Spitzenpersonals ist auch ein  Konjunkturprogramm für die Satire. Nachdem lange Zeit überhaupt kein Kandidat aus der Deckung kam, könnte die gebeutelte Partei mittlerweile ein Panini-Album damit    bestücken  –  nur ein Witz unter vielen. Und jetzt nahm sich auch noch Entertainer Jan Böhmermann der Sache an, indem er seine Fernsehshow zur Bühne für eine eigene Bewerbungsrede umfunktionierte. Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: „Du musst es machen“, ulkte   Böhmermann.

Im Berliner Willy-Brandt-Haus sieht man den Kandidatenwettbewerb naturgemäß weniger locker. Schließlich kostet der nicht nur einen Haufen Geld (bis zu 1,9 Millionen Euro), sondern auch jede Menge organisatorischen Kraftaufwand. An diesem Sonntag um 18 Uhr endet die Bewerbungsfrist. Aber schon jetzt fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Mit Stand Freitagnachmittag hat der Wahlvorstand der Partei grünes Licht für  sieben Kandidatenduos gegeben, weil sie die notwenige Unterstützung zusammengebracht  haben. Das konnten entweder fünf SPD-Unterbezirke, ein Bezirk oder ein Landesbezirk sein.

Vizekanzler, Oberbürgermeister und Verdi-Funktionär

Definitiv ins Rennen gehen deshalb nun Vizekanzler Olaf Scholz gemeinsam mit der brandenburgischen Landtagsabgeordneten Klara Geywitz, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping, Außenamts-Staatsminister Michael Roth und die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann, die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie Hilde Mattheis von der Parteilinken und Verdi-Funktionär Dierk Hirschel. Zuletzt erfüllten die formalen Voraussetzungen noch Parteivize Ralf Stegner zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan sowie Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens im Verbund mit seiner Flensburger Amtskollegin Simone Lange.

Doch selbst mit diesen 14 Namen könnte die Kandidatenliste noch nicht geschlossen sein. Am Freitagabend wollte der NRW-Landesvorstand noch über die Nominierung  von Ex-Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans und der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken befinden. Obendrein gibt es drei  Einzelbewerber, von denen bisher ebenfalls noch  unklar war, ob sie bis Sonntag die nötige Unterstützung haben.

23 Regionalkonferenzen
sind geplant

Der eigentliche Showdown startet dann am kommenden Mittwoch, wenn in Saarbrücken die erste von insgesamt 23 Regionalkonferenzen über die Bühne geht. Sie sollen so ablaufen, dass sich alle Bewerber zunächst kurz vorstellen und danach Fragen aus dem Partei-Publikum beantworten. Nach Auskunft der SPD-Zentrale sollen dabei auch von vornherein gesetzte Themenschwerpunkte behandelt werden. Das alles überwölbende Thema dürfte freilich sein, wie es die Kandidaten mit der großen Koalition halten. Unter den Bewerbern sind die GroKo-Skeptiker in der Mehrzahl, weshalb es auch längst nicht ausgemacht ist, ob das als Favorit gehandelte Duo Scholz/Geywitz am Ende die Nase vorn hat.

Das Procedere wird sich jedenfalls lange, womöglich quälend lange  hinziehen. Die letzte der 23 Regionalkonferenzen ist erst für den 12. Oktober in München terminiert. Anschließend  haben die SPD-Mitglieder zwei Wochen Zeit, um online oder per Brief ihre Personalentscheidung zu treffen. Wenn kein Duo oder Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen kann, was bei der Bewerber-Fülle zu erwarten ist, kommt es in der zweiten Novemberhälfte zu einer Stichwahl unter den zwei Bestpalzierten. Das Ergebnis soll am 30. November veröffentlicht werden. Und selbst dann ist noch nicht Schluss, denn formal muss die Personalie noch von einem Bundesparteitag abgesegnet werden, der am 6. Dezember in Berlin zusammentritt.

Böhmermann ist übrigens nicht einmal SPD-Mitglied. Warum der Satire-Profi seinen Hut dennoch in den TV-Ring warf? „Jesus war auch nicht in der Kirche“, meinte er spitzfindig. So könnte die SPD noch allerhand weiteren Stoff für Spötteleien bieten.