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Schule muss nicht im Dreivierteltakt lehren

Schule muss nicht im Dreivierteltakt lehren

Schulstunden dürfen 45 Minuten überschreiten. Was für und gegen die Verlängerung spricht.

Düsseldorf. Dass eine Schulstunde immer 45 Minuten dauert — das ist schon seit ein paar Jahren kein in Stein gemeißeltes Gesetz mehr. Längst dürfen die Schulen längere Unterrichtseinheiten wählen.

Wie viele Schulen vom alten Dreivierteltakt abweichen, das weiß aber auch das NRW-Schulministerium nicht, da die Schulen dies der Verwaltung nicht mitteilen müssen. Für beides gibt es gute Argumente, die auch zu Beginn des neuen Schuljahres wieder thematisiert werden.

So betont etwa Michael Cornély, Lehrer für Englisch, Geschichte und Deutsch an der Stephanusschule, einer Hauptschule in Krefeld, in der weiter an der 45-Minuten-Schulstunde festgehalten wird: „Gerade in Sprachfächern ist Redundanz, also das häufige Wiederholen, wichtig.“ Cornély hat mit seiner Klasse vier Einheiten Englisch à 45 Minuten pro Woche, in der 10 b sogar fünf. „Würde die Schulstunde verlängert, wären es nur noch zwei oder drei Mal pro Woche.“

Cornély sieht durchaus die Probleme, die es bei Fächern wie Physik oder Chemie gibt, wo schon die Versuchsaufbauten viel Zeit in Anspruch nehmen. Hier, aber auch bei Fächern wie Hauswirtschaftslehre, Technik und Sport mit ihren organisatorisch-zeitlichen Vorläufen könnten und würden auch an seiner Schule 90-Minuten-Blöcke gebaut. „Das klappt gut.“

Gegen eine generelle Verlängerung über 45 Minuten hinaus spricht auch, dass manch ein Schüler die Grenze seiner Konzentrationsfähigkeit nach dieser Zeit längst erreicht haben dürfte. Das wollen aber die Befürworter einer längeren Schulstunde so nicht gelten lassen.

So betont Wolfgang Lieser, stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Korschenbroich, an dem die „67,5-Minuten-Schulstunde“ nun bereits ins vierte Jahr geht: „Dem Konzentrationsproblem kann man gut mit höherer Methodenvielfalt begegnen.“

Das heißt: Das Vermitteln des Lehrstoffs wird immer wieder durch Partner- und Gruppenarbeit aufgelockert. Vorteile sind laut Lieser nicht nur, dass mehr Zeit für den Experimentalunterricht bleibt.

Auch sei seit Einführung der längeren Schulstunde viel mehr Ruhe im Haus. Nachvollziehbar — wenn Schüler und Lehrer nicht so häufig die Klassenräume wechseln müssen. „Wir haben das eingeführt, um die Schüler zu entlasten, und das meine ich auch ganz wörtlich“, betont Lieser mit Blick darauf, dass die Schüler bei täglich weniger Fächern weniger Bücher in ihre Schultasche packen müssen.