Rente: 48.000 Senioren sind erstmals steuerpflichtig

Analyse : 48.000 Senioren sind erstmals steuerpflichtig

Die Bundesregierung prognostiziert ein spürbares Plus bei der Rente. Doch das bedeutet auch steigende Abgaben. Ein Überblick.

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können auch in den nächsten Jahren mit spürbaren Zuwächsen bei ihren gesetzlichen Altersbezügen rechnen. Das geht aus dem aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung hervor, der unserer Zeitung vorliegt. Steigende Renten bedeuten aber auch, dass mehr Ruheständler künftig steuerpflichtig werden. Nachfolgend die wichtigsten Zahlen und Hintergründe:

Wer erhält wie viel Rente?

Laut dem jüngstem Bericht lag die durchschnittliche monatliche Altersrente für Männer am 1. Juli 2018 bei 1150 Euro. Die Rente wegen voller Erwerbsminderung betrug im Schnitt 814 Euro. Mit 709 Euro fiel die durchschnittliche Altersrente für Frauen zum gleichen Zeitpunkt deutlich niedriger aus. Ein Grund sind die oft kürzeren Arbeitsbiografien bei Frauen. Die Bezüge wegen voller Erwerbsminderung für Frauen lagen im Schnitt ebenfalls bei insgesamt 814 Euro. Bei den genannten Zahlungen sind die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgezogen.

Wie entwickelt sich die Rente?

Zum 1. Juli 2020 wird mit einer Rentenerhöhung von 3,15 Prozent im Westen und 3,92 Prozent im Osten gerechnet. Für Mitte 2021 ist in den alten Ländern ein weiteres Plus von 2,41 Prozent zu erwarten. Im Osten sind es 3,14 Prozent. Auch für die Jahre 2022 und 2023 werden Rentenzuwächse von jeweils fast drei Prozent im Westen sowie jeweils mehr als drei Prozent im Osten prognostiziert. Die Rentenangleichung zwischen Ost und West soll bis zum Jahr 2025 abgeschlossen sein.

Warum muss die Rente zunehmend versteuert werden?

Die Ursache ist ein vom Bundesverfassungsgericht angemahnter  Systemwechsel, der seit 2005 stufenweise bis zum Jahr 2040 umgesetzt wird. Im Kern handelt es sich um den Übergang von einer vorgelagerten zu einer nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet: Die Rentenbeiträge der Beschäftigten werden schrittweise steuerfrei gestellt. Im Gegenzug werden die Auszahlungen im Rentenalter zunehmend steuerlich belastet. Grundsätzlich gilt: Je später die Rente beginnt, desto höher ist der besteuerte Anteil der Bruttorente.

Was bedeutet die Regelung konkret?

Wer bis 2005 in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern. Bei einer Person, die 2019 in Rente geht, sind es bereits 78 Prozent. Laut  Bundesfinanzministerium rutschen im Steuerjahr 2019 schätzungsweise rund 48 000 Senioren wegen der vorangegangenen Rentenerhöhung neu in die Steuerpflicht. Wie das Ministerium jetzt auf Anfrage der Linksfraktion mitteilte, werden bei einem Ruheständler, der bis 2018 in Rente ging und dabei eine monatliche Bruttorente von 1200 Euro bekam, keine Steuern fällig. Ein Rentner mit den gleichen Bezügen, der 2019 in Rente ging, muss darauf pro Jahr 31 Euro an den Fiskus abführen. Bei einem Neurentner mit einer monatlichen Bruttorente von 1500 Euro werden 430 Euro Einkommenssteuer fällig. Ein Rentner, der mit der gleichen Rente bereits 2010 in den Ruhestand gegangen ist, muss darauf nur 79 Euro an Steuern zahlen.