Rekordtemperaturen: Hitze ist Achillesferse der Atomkraft

Rekordtemperaturen : Hitze ist Achillesferse der Atomkraft

Grüne: Frankreich musste im Juli Öko-Strom aus Deutschland importieren

Frankreichs Atomkraftwerke haben in der zurückliegenden Hitzeperiode nicht zuverlässig Strom geliefert, so dass das Land zeitweise auf Energielieferungen aus Deutschland angewiesen war. Darauf haben die Grünen im Bundestag nach einer Auswertung von Daten des französischen Netzbetreibers RTE hingewiesen.

Bei Hitze müssen Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren, wenn das Kühlwasser zu warm ist. Besonders drastisch wirkte sich das am 25. Juli aus, dem Tag an dem mit über 40 Grad in Frankreich und Deutschland Rekordtemperaturen gemessen wurden. Da leisteten die französischen Atomkraftwerke mittags laut den Daten, die unserer Redaktion vorliegen, nur noch 35 Gigawatt, fast neun Gigawatt weniger als zur gleichen Stunde am 25. Juni, als es mit rund 30 Grad weniger heiß war. Der Atomstromanteil in Frankreich sackte von 75 auf 62 Prozent ab. Im Ergebnis musste das Land tagsüber Strom von seinen Nachbarn importieren. Aus Deutschland und Belgien waren es mittags drei Gigawatt. Nachts hatte Frankreich dann wieder einen Überschuss. Kein Einzelfall. Seit 2003 hätten 22 der 58 französischen Reaktoren schon mal wegen Hitze ihre Leistung reduzieren müssen, ermittelten die Grünen. Besonders anfällig seien die alten Reaktoren, die zum Teil aus landschaftlichen Gründen nicht über einen Kühlturm verfügen oder nur eine kleine Kühlanlage haben.

Die Partei nutzt diese Daten nun als Argument in der Energiedebatte. In der wird ihr oft vorgehalten wird, dass Ökostrom im Fall einer Dunkelflaute (weder Wind noch Sonne) nicht zuverlässig sei und dann Atom- oder Kohlestrom importiert werden müsse. „Es ist schon lange klar, dass Atomkraft nicht umweltfreundlich ist. Klimatauglich ist sie aber auch nicht“, sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl gegenüber unserer Redaktion. „Fakt ist: Frankreich muss bei starken Hitzewellen seine Atomkraftwerke drosseln und erneuerbaren Strom aus Deutschland importieren, um den Eigenbedarf zu decken.“ Zudem heizten die Reaktoren sowohl Flüsse als auch Meere auf.

Scharf kritisierte Kotting-Uhl, dass Frankreich die Laufzeit der klimaanfälligsten alten Meiler verlängern wolle. Paris setze damit sowohl die französische wie auch die deutsche und luxemburgische Bevölkerung einem erhöhten Unfallrisiko aus. „Die Bundesregierung darf dabei nicht länger tatenlos zuschauen, sondern muss Frankreich in die Pflicht nehmen, seine Atomkraftwerke nach 40 Jahren Betrieb auslegungsgemäß stillzulegen“, so die Abgeordnete.

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