Razzia: Junge Rechtsextreme gingen bei Pro NRW ein und aus

Razzia: Junge Rechtsextreme gingen bei Pro NRW ein und aus

Der „Freundeskreis Rade“ soll viele Straftaten verübt haben. Gab es finanzielle Hilfe von rechter Splitterpartei?

Radevormwald. Der Name klingt harmlos: „Freundeskreis Rade“. Doch dahinter verbirgt sich nach Erkenntnissen von Ermittlern eine Neonazi-Gruppe aus dem Bergischen Land. Sehr jung, sehr gewaltbereit. Am Mittwoch holte die Polizei zum Gegenschlag aus, verhaftete drei führende Mitglieder und verhörte 15 weitere.

„Die Gruppe hat in der Vergangenheit für ein erhebliches Aufkommen an Straftaten vor allem in Radevormwald gesorgt“, sagt der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn. Er leitet die Ermittlungen gegen die Gruppe. „Bereits seit Anfang dieses Jahres haben wir sehr konzentriert gegen die Beschuldigten ermittelt“, sagt Willuhn.

Dabei ging es um mehrere Arten von Gewaltdelikten, rechtsextreme Propaganda, Graffiti-Schmierereien und auch gefährliche Körperverletzungen. So war unter anderem noch im Januar ein Polizeibeamter von den Rechten angegriffen worden, häufig tauchten Graffiti-Schriftzüge wie „Hass“ auf — geschrieben in SS-Runen.

Mit Stand 2012 zählte die Staatsanwaltschaft mehr als 20 Verfahren mit rechtsextremistischem Hintergrund — mit fast allen wird der „Freundeskreis“ in Verbindung gebracht.

Die Mitglieder sollen zudem gute Kontakte zu der im Radevormalder Stadtrat vertretenen und vom Verfassungsschutz als rechtsextrem beobachteten Kleinpartei „Pro NRW“ unterhalten haben.

Bei zwei der Verhafteten wurden Mitgliedsausweise von Pro NRW gefunden, einer der anderen Beschuldigten sitzt für die Partei im Stadtrat von Radevormwald. Oberstaatsanwalt Willuhn: „Wir haben deutliche Anhaltspunkte, dass die Beschuldigten vom Fraktionsbüro der Partei sowohl sächlich als auch finanziell unterstützt wurden.“

Daher beschlagnahmten die Ermittler neben zahlreichen Akten auch das Fotokopiergerät des Pro-NRW-Büros.

Am Mittag präsentierte die Polizei in Köln bei der Razzia beschlagnahmte Waffen. Unter anderem stellten die Ermittler ein Jagdgewehr, diverse Messer und Wurfsterne sowie Fahnen, T-Shirts und anderes rechtsextremes Propagandamaterial sicher. „Wir sehen, dass diese Gruppe sehr gewalttätig ist“, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Wolfgang Joest, Leiter der Inspektion Staatsschutz bei der Kölner Polizei, erklärte: „Dass auch Schusswaffen dabei sind, davon waren wir schon überrascht.“ Die Gewaltbereitschaft der Gruppe sei offenbar schon weit fortgeschritten. Man prüfe jetzt, wie stark die Gruppe in der rechtsextremen Szene vernetzt sei. Fest stehe aber bereits, dass sie sich auch an Veranstaltungen außerhalb der eigenen Region beteiligt habe.

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