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Analyse: Patienten geben gute Noten für medizinische Versorgung

Analyse : Patienten geben gute Noten für medizinische Versorgung

Die Deutschen sind einer neuen Studie zufolge relativ zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem — aber nicht überall.

Berlin. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sind 85 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten mit der medizinischen Versorgung in Deutschland zufrieden. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hält die von der SPD angeschobene Debatte über eine „Zwei-Klassen-Medizin“ deshalb für irreführend. „Sie geht an der Wirklichkeit vorbei“, meinte vdek-Vorstandschefin Ulrike Elsner am Dienstag in Berlin.

Noch ist unklar, ob es zu einer Neuauflage der großen Koalition kommt. Die Sozialdemokraten haben dafür drei Bedingungen gestellt. Neben Korrekturen in der Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik wollen die Genossen auch „das Ende der Zwei-Klassen-Medizin einleiten“. Ihr Ziel ist es, die Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Versicherung einzuebnen. Vorgeblich im Interesse der gesetzlich Versicherten.

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Ersatzkassen-Verbandes sind allerdings 55 Prozent dieser Gruppe mit ihrer medizinischen Versorgung „eher zufrieden“ und weitere 30 Prozent sogar „sehr zufrieden“. Die Vorstandschefin des vdek, Ulrike Elsner, sieht darin einen klaren Beleg für die hohe Wertschätzung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Von einer systematischen Schlechterbehandlung der GKV-Patienten kann nicht die Rede sein“, sagte Elsner bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin.

Schaut man sich die Daten näher an, fällt allerdings ein deutliches Stadt-Land-Gefälle auf. Jeder vierte Bewohner im ländlichen Raum ist unzufrieden mit der Versorgung. In den städtischen Regionen ist es nur jeder achte. Besonders krass fallen die Unterschiede beim Urteil über die Erreichbarkeit von Fachärzten aus. 82 Prozent der Städter sagen, die Spezialisten seien von ihrer Wohnung aus gut erreichbar. Von den ländlichen Bewohnern sagt das nicht einmal die Hälfte (47 Prozent).

Diese Angaben spiegeln den schon seit geraumer Zeit beklagten Ärztemangel in strukturschwachen Gebieten wider. Gefragt hat Forsa auch danach, was die Versicherten konkret beim Haus- oder Facharzt stört. Die häufigsten Antworten waren hier kaum überraschend: „Wartezeit in der Praxis“ und „Wartezeit auf einen Termin“.

Dabei gibt es schon seit rund zweieinhalb Jahren ein Gesetz zur Einrichtung sogenannter Termin-Servicestellen. Union und SPD erhofften sich davon eine Beschleunigung der Terminvergabe für einen Facharztbesuch. Jüngste Untersuchungen ergaben jedoch, dass die in Regie der Kassenärztlichen Vereinigungen geführten Servicestellen mehr schlecht als recht funktionieren. Im Dezember hatte die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), deshalb Alarm geschlagen.

So seien sieben Einrichtungen bei zwei von drei Testanrufen während ihrer Öffnungszeit nicht erreichbar gewesen, klagte Fischbach. „Wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Sicherstellungsstellungsauftrag hier nicht nachkommen, muss gesetzgeberisch nachgeschärft werden, forderte deshalb jetzt auch vdek-Vorstandschefin Elsner. Ärzte müssten dazu verpflichtet werden, freie Termine an die Servicestellen zu melden. Zugleich seien genügend Kapazitäten zur Bearbeitung der Anfragen notwendig, so Elsner.

Zum Thema Servicestellen findet sich übrigens keine Zeile in der Sondierungsvereinbarung von Union und SPD.