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Norbert Röttgen: „Das ist ein offenes Rennen“

CDU-Vorsitz : Norbert Röttgen: „Das ist ein offenes Rennen“

Experten rechnen Norbert Röttgen nur eine Außenseiterchance für seine Kandidatur als CDU-Chef zu. Aber er fühlt sich gut gerüstet. Ob es reicht, entscheidet der Bundesparteitag.

Norbert Röttgen (54) sieht sich nicht als Außenseiter im Kampf um den CDU-Vorsitz. Obwohl sich der Vorstand des großen CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen jetzt für Ministerpräsident Armin Laschet als neuen Parteichef ausgesprochen hat. Im Gegensatz zu Laschet und Friedrich Merz habe er das „konkreteste Angebot“ unterbreitet, so Röttgen im Gespräch.

Herr Röttgen, Sie haben nur eine Außenseiterchance, oder?

Norbert Röttgen: Vor allem habe ich der Partei die Chance ermöglicht, jetzt acht Wochen nicht nur über Personen, sondern auch über Inhalte und die künftige Orientierung der CDU diskutieren zu können. Daran werde ich mich aktiv beteiligen. Am Ende entscheidet der Bundesparteitag.

Wurmt es Sie, dass der Vorstand ihres NRW-Landesverbandes für Armin Laschet votiert hat?

Röttgen: Wir sind ganz am Anfang eines beginnenden Wettbewerbs und ich fühle mich gut gerüstet mit meinem Angebot. Nach meiner Einschätzung ist das ein offenes Rennen. Es wird in keinem Landesverband ein einheitliches Delegiertenvotum geben.

Wer ist Ihr stärkster Gegner – Merz oder das Team Laschet und Spahn?

Röttgen: Solche taktischen Fragen interessieren mich nicht. Ich finde den Wettbewerb wichtig. Schaue ich mir die Start-Pressekonferenzen der Kandidaten an, habe ich das konkreteste Angebot unterbreitet. Ich trete in großer Klarheit für meine Vorstellungen ein und ich verkörpere sie.

Wofür wird die CDU unter einem Parteichef Röttgen stehen?

Röttgen: Ich will, dass wir für die großen Fragen unserer Zeit wieder Raum schaffen in unserer Partei und zu einem Ort von Diskussionen und dann klaren Entscheidungen werden. Das Zweite ist: In den letzten Jahren ist in der Welt kein Stein auf dem anderen geblieben. Wir erleben es gerade erneut in Idlib. Außen-, europa- und sicherheitspolitische Kompetenz gehört jetzt zu dem Wichtigsten, was die Union braucht. Und: Wenn die CDU wieder eine Partei der Zukunft sein will, dann gehört Klimaschutz ganz oben auf unsere Agenda.

Viele Menschen interessiert aber auch die Zukunft der Pflege, der Renten oder die innere Sicherheit. Sie sind Außenpolitiker – können Sie noch Innenpolitik?

Röttgen: Ich war nie ein reiner Fachpolitiker, sondern immer politisch breit interessiert und ausgerichtet.

Die Punkte, die Sie angesprochen haben, sind das auch die großen Versäumnisse von Angela Merkel?

Röttgen: Es macht jetzt keinen Sinn, die Kanzlerschaft von Angela Merkel hin und her zu analysieren. Ich möchte nach vorne schauen. Wir haben viel erreicht, aber wir müssen auch vieles anpacken.

Zieht sich die Kanzlerin im Moment zu sehr aus dem Geschehen zurück?

Röttgen: Frau Merkel ist Bundeskanzlerin und nicht mehr Parteichefin. Dass sie sich in den Wettbewerb um den Vorsitz nicht einmischt, ist genau richtig.

Derzeit ist die Angst vor dem Rechtsextremismus groß. Wie schätzen Sie das Problem ein?

Röttgen: Der Rechtsextremismus und der rechte Terror sind das größte Problem, das wir zurzeit in Deutschland haben. Wir müssen systematisch und dauerhaft dagegen vorgehen. Empörung und zeitweise Fokussierung allein reichen nicht aus. Wir müssen uns außerdem fragen, was dazu geführt hat, dass die Ränder immer stärker werden. Zu viele Menschen fühlen sich im Stich gelassen. Das müssen und können wir durch eine aktive Politik ändern.

Welche Politik meinen Sie genau?

Röttgen: Wir hatten eine Krisendekade mit der Weltfinanzkrise, der Eurokrise und der Flüchtlingswelle. Die Politik hat sich jedes Mal unvorbereitet gezeigt. Wir haben immer erst reagiert, als der Schaden schon da war. Das hat zu großen Vertrauenserschütterungen und zu einem immensen Legitimationsverlust geführt.

Trifft das auch auf die CDU zu? Es geht ja ein Riss durch die Partei hinsichtlich des Umgangs mit Linke und AfD.

Röttgen: Man kann nicht von einem Riss sprechen. Aber die CDU als Partei der Deutschen Einheit kann nicht ignorieren, dass sich demokratische Einstellungen zwischen Ost und West auseinander entwickelt haben. Deswegen müssen wir in einen Demokratiedialog in Deutschland eintreten. Nicht belehrend, sondern wechselseitig ernstnehmend.

Sie wollen eine Frau in ihr Team holen. Wann ist es denn so weit?

Röttgen: Wenn ich zum Vorsitzenden gewählt worden bin. Eine Frau sollte dann das Amt der Generalsekretärin übernehmen, weil wir engagierte und qualifizierte Frauen haben und wir dafür sorgen müssen, dass sie in vorderster Reihe sichtbar bleiben.