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Mangel an Hausärzten droht

Mangel an Hausärzten droht

Jede vierte Kommune in NRW ist betroffen. Staatssekretär Karl-Josef Laumann fordert bessere Vergütung.

Düsseldorf. In 92 von 396 NRW-Kommunen droht eine Gefährdung der hausärztlichen Versorgung. In weiteren 48 könnte sie nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf auf mittlere Sicht in eine Schieflage geraten.

Betroffen sind unter anderem Schwalmtal im Kreis Viersen und Wülfrath im Kreis Mettmann. Niederlassungen von Hausärzten in den gefährdeten Gemeinden fördert das Land mit bis zu 50 000 Euro.

Schon jetzt gibt es nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums in Teilen von NRW bei Hausärzten „regionale Versorgungsengpässe“. Dies sei insbesondere im ländlichen Raum und in Stadtteilen mit einem hohen Anteil an Menschen mit keinem eigenen oder eher niedrigem Einkommen der Fall. Derzeit gibt es an Rhein und Ruhr rund 10 700 niedergelassene Ärzte. Etwa die Hälfte davon ist älter als 55 Jahre.

Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, will das Problem unter anderem über eine andere Verteilung des Geldes lösen. „Die Vertragsärzte in Westfalen-Lippe und Nordrhein wurden in den vergangenen Jahren klar benachteiligt“, sagte Laumann Freitag in Düsseldorf. Der CDU-Politiker legte Zahlen aus dem Jahr 2012 vor. Demnach erhielten die Mediziner für jeden Versicherten im Bundesdurchschnitt 458,71 Euro. Während die Ärzte in Nordrhein und Westfalen deutlich darunter lagen, hatten ihre Kollegen in Bremen und Berlin am Jahresende erheblich mehr in der Tasche.

„Die Kassen zahlen Hausärzten in NRW zu wenig“, sagt Laumann. „Es ist Sache der Kassenärztlichen Vereinigungen, das zu ändern.“

Nach Ansicht des Patientenbeauftragten sind die Vereinigungen auch bei der Überversorgung mit niedergelassenen Ärzten in Großstädten gefordert. Um diese Überkapazitäten abzubauen, sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen Medizinern, die in Ruhestand gehen wollen, ihre Praxen abkaufen. „Das steht bald so im Gesetz. Wenn sie das nicht machen, wird die Zulassung an andere Ärzte verkauft und es bleibt bei der Überversorgung.“