Langer Weg zum einheitlichen Abi

Langer Weg zum einheitlichen Abi

Die Kultusminister der Länder einigen sich auf bundesweite Standards und einen gemeinsamen Aufgabenpool.

Berlin. Das Abitur soll künftig von der Nordsee bis zu den Alpen vergleichbar sein. Bundesweite Bildungsstandards und ein Aufgabenpool mit gemeinsamen Bewertungsvorgaben sollen ein einheitliches Niveau für die Reifeprüfung garantieren. Darauf hat sich die Kultusministerkonferenz geeinigt. Denn hartnäckig hält sich seit Jahren das Gerücht, dass in dem einen Bundesland das Abitur viel leichter zu haben ist als in dem anderen.

Fast euphorisch sprach der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD), am Freitag von einem Durchbruch und einem „fast historisch zu bezeichnenden gemeinsamen Weg zu einem vergleichbaren Abitur“. Andere aus der Ministerrunde blieben eher verhalten. Im Abiturstreit sei in den vergangenen Monaten „medial genug heiße Luft“ verbreitet worden. Und schließlich sei der KMK-Beschluss über die gemeinsamen Bildungsstandards für das Abitur inzwischen drei Jahre alt.

Doch 16 Kultusminister brauchen halt für manche Dinge ein wenig mehr Zeit. Hier gilt: „Gut Ding will Weile haben.“ Denn ein nationales Zentralabitur wie etwa in Frankreich mit einheitlichen Prüfungen, die an einem Tag erfolgen — das wollten die deutschen Kultusminister nicht.

Dagegen sprechen nicht nur die unterschiedlichen Ferienregelungen in 16 Bundesländern, auf die Wirtschaft und das Tourismusgewerbe so vehement pochen und die einen solchen Mammut-Prüfungstag für ganz Deutschland erschweren würden. Noch immer sind viele Schulpraktiker skeptisch. Denn jede zentrale Prüfungsvorgabe sichert zwar das Minimum an Leistung — beschneidet aber auch Spitzenausreißer nach oben.

Gut 15 Millionen Euro wollen die Kultusminister für die Entwicklung von Abitur-Bildungsstandards und „Kompetenzmodellen“ bis 2015 investieren. Das ländereigene Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin soll in den Ländern entwickelte Abituraufgaben auf ihre bundesweite Eignung prüfen, dazu Leistungskriterien vorgeben und dann die Aufgaben in einen Pool einspeisen, aus denen sich die Länder bedienen können. Als Termin für einen möglichen bundesweiten Einsatz des Aufgabenpools wird das Schuljahr 2016/2017 angestrebt.

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