Ost-West-Gefälle aufgehoben Die Rentenlücke schließt sich - doch die Erhöhung wird kaum spürbar sein

Meinung · Zwar können sich Rentnerinnen und Rentner über eine Erhöhung ihrer Bezüge freuen. Erstmals erhalten Senioren in Ost und West den gleichen Rentenwert. Doch wird das Mehr an Geld in der Tasche für sie kaum spürbar sein.

Wie so manche Lohnerhöhung in den vergangenen Monaten frisst die Inflation das Plus in der Geldbörse auf und ist dann immer noch nicht satt.

Wie so manche Lohnerhöhung in den vergangenen Monaten frisst die Inflation das Plus in der Geldbörse auf und ist dann immer noch nicht satt.

Foto: dpa/Marijan Murat

Es ist vollbracht – wenigstens auf dem Rentenbescheid. Mit der nächsten Erhöhung der Altersbezüge gibt es in Deutschland Ost beim Rentenwert keinen Unterschied mehr zu Deutschland West. Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das eine Nachricht. Sie war überfällig in einer Zeit, in der Bücher über das Unwohlsein oder den Minderwertigkeitskomplex der Ossis gegenüber den Wessis wieder Konjunktur haben. Wenigstens bei den Rentenbeziehern ist Deutschland nun tatsächlich wieder einig. Das ist es aber auch schon mit dem guten Teil der Nachricht. Der Schlechte ist, dass die Rentnerinnen und Rentner von der Erhöhung ab Mitte dieses Jahres nicht viel merken werden. Wie so manche Lohnerhöhung in den vergangenen Monaten frisst die Inflation das Plus in der Geldbörse auf und ist dann immer noch nicht satt. Da tröstet auch der Hinweis aus dem Bundesarbeitsministerium wenig, dass die Renten West in den vergangenen zehn Jahren um 26 und die Renten Ost um 40 Prozent gestiegen sind, während die Inflation bei 20 Prozent lag. Denn auch Rentner geben ihr Geld in der Gegenwart aus, nicht in der Vergangenheit. Und gegenwärtig klafft eine Lücke.

Wie groß diese Lücke noch werden wird, oder ob sie schrumpft, wird die Zukunft zeigen. Angesichts der hohen Tarifabschlüsse in diesem Jahr sollen die Renten Mitte des nächsten Jahres noch deutlicher steigen. Und womöglich sinkt bis dahin auch die Inflation auf ein erträgliches Maß.

Aber Rentenangleichung, Inflation, und Tarifabschlüsse bilden nur einen Ausschnitt des großen Themas Altersversorgung. Immer noch deutet der demografische Wandel darauf hin, dass die Gruppe der Beitragszahler gegenüber den Rentenbeziehern stetig kleiner wird. Gleichzeitig steht das Versprechen, dass die Rente den Wert von 48 Prozent des Durchschnittslohnes nicht unterschreiten soll. Das wirft die Frage auf, auf die es nur drei Antworten gibt: Entweder steigt der Steueranteil in der Rentenkasse weiter an, oder die Lebensarbeitszeit wird noch einmal erhöht oder beides. Da mag es tröstlich sein, dass die Antwort auf jeden Fall im Osten so gilt wie im Westen.

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