Trotz voller Kassen Immer mehr Arbeitnehmer zahlen den Spitzensteuersatz

Berlin · Immer mehr Arbeitnehmer aus der Mittelschicht müssen einem Bericht zufolge den Spitzensteuersatz zahlen, der früher für Top-Gehälter reserviert war.

Immer mehr Arbeitnehmer zahlen den Spitzensteuersatz
Foto: dpa/Oliver Berg

Im bisher letzten abgeschlossenen Finanzjahr 2015 traf der Satz von 42 Prozent 3,5 Millionen Bürger, wie aus einer Regierungsantwort auf eine Linken-Anfrage hervorgeht, über die die "Süddeutsche Zeitung" am Montag berichtete. Für 2018 schätzt die Regierung die Zahl demnach auf vier Millionen.

Die Hälfte der Zahler verdient dem Bericht zufolge 5000 bis knapp 7000 Euro brutto im Monat. Damit erfasse der Spitzensatz bereits Arbeitnehmer, die nur das 1,5-fache des Durchschnittslohns bekommen. Im Jahr 1965 musste jemand das 15-fache des Durchschnittslohns verdienen, um den Spitzensatz zu zahlen.

Angesichts der vollen Haushaltskassen - der Staat erzielte 2019 einen Überschuss von 50 Milliarden Euro - wird debattiert, ob nicht die Steuern für die Mittelschicht sinken müssten.

Sowohl FDP-Parteichef Christian Lindner als auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch fordern, die Arbeitnehmer in der Mitte zu entlasten. "Wir sollten Facharbeiter und Menschen mit mittleren Einkommen aus der Spitzenbesteuerung rausholen", sagte Bartsch der Zeitung. "Wir brauchen eine große Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen besserstellt. Wer weniger als 7100 Euro brutto im Monat hat, sollte weniger zahlen."

Lindner sagte: "Es ist eine Schande, dass sich der Spitzensteuersatz tief in die arbeitende Mitte der Gesellschaft vorgefressen hat." Er fügte hinzu: "Hier reden wir nicht über Manager und Profifußballer, sondern den Facharbeiter in der Autoindustrie oder die Personalreferentin im mittelständischen Betrieb."

Gebraucht werde "dringend eine Steuerreform, die der arbeitenden Mitte Luft zum Atmen verschafft und deutlich macht, dass sich zusätzliche Anstrengung lohnt", sagte Lindner. Die Bundesregierung lehnt eine breite Steuerreform für die Mitte bisher ab.

cha/ilo

(AFP)
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