Hohe Lebenserwartung, niedrige Geburtenrate

Frankfurt/Main : Bundesbank: Langfristig erst mit knapp 70 in Rente

Studie hält späteres Renteneintrittsalter für notwendig, weil die Lebenserwartung hierzulande stetig zunimmt.

Die Bundesbank schlägt langfristig eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf knapp 70 Jahre vor. Zur Begründung verweist sie in einer Studie auf die steigende Lebenserwartung und die Auswirkungen der niedrigen Geburtenraten seit den 1970er Jahren. Nach dem Konzept der Bundesbank würde der Geburtsjahrgang 2001 dann 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten in Rente gehen.

Seit 2012 wird die Altersgrenze für den Bezug der gesetzlichen Rente schrittweise von 65 auf 67 Jahre im Jahr 2031 angehoben. Doch das reicht nach Ansicht der Experten nicht aus, weil ab Mitte der 2020er Jahre die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen.

Die Rentenbezugsdauer in Deutschland hat sich seit Mitte der 1960er Jahre von durchschnittlich zehn auf 21 Jahre mehr als verdoppelt. Das heißt: Der Zugewinn an Lebenszeit floss in die Rentenzeit. Hier will die Bundesbank ansetzen und die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil halten. Eine solche Anpassung würde nicht nur die Rentenkasse entlasten, sondern „eine daraus resultierende umfangreichere Erwerbstätigkeit stützt gleichzeitig die Sozialbeiträge und Steuern“.

Bliebe die Rechtslage unverändert, fiele das Versorgungsniveau ab 2025 von 48 Prozent des Durchschnittsgehalts binnen vier Jahrzehnten deutlich unter 40 Prozent. Gleichzeitig müsste das Beitragsniveau von derzeit 18,6 auf mehr als 26 Prozent des Bruttlohns erhöht werden. Wie die Politik diese Mixtur aus sinkendem Rentenniveau und steigenden Beiträgen verhindern will, ist völlig offen.

Eine Option wäre es, den Bundeszuschuss zur Rente weiter zu erhöhen. Diese Mittel haben aber schon jetzt einen gewaltigen Umfang. Knapp 100 Milliarden Euro fließen in diesem Jahr aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkasse. Bis 2023 soll der Zuschuss nach jetziger Planung bereits auf 114 Milliarden Euro steigen.

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