1. Politik
  2. Inland

Digitalfunk: Wenn Retter ins Leere funken

Digitalfunk: Wenn Retter ins Leere funken

Beim Digitalfunk ist längst nicht alles geklärt. Eine Frage: Sind Funklöcher tolerierbar?

Düsseldorf. Die Probleme bei der Anbindung der Polizei-Leitstellen an den Digitalfunk sind nicht das einzige Problem, das im Zusammenhang mit dem Digitalfunk diskutiert wird. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Statt 2010 erfolgt die offizielle Inbetriebnahme des modernen Funks nun erst Ende 2014. In der Zwischenzeit sind zahlreiche andere europäische Länder an Deutschland vorbeigezogen. Sogar Albanien funkt inzwischen digital.

Trotzdem sind sich alle Experten einig, dass am Digitalfunk kein Weg vorbei führt. Er ist nicht nur abhörsicher und hat eine deutlich bessere Sprachqualität. Er macht auch Großeinsätze in Stadien, auf Volksfesten oder im Katastrophenfall deutlich einfacher. So können die verschiedenen Einsatzgruppen einzelne Gruppen bilden und müssen nicht mehr alle durcheinanderreden. Polizei und Feuerwehr können direkt miteinander kommunizieren.

Doch es gibt auch nach wie vor ernstzunehmende Kritik an dem System. Die Gewerkschaft der Polizei etwa moniert, dass die Funkgeräte nicht GPS-fähig sind und etwa Streifenwagen nicht geortet werden können. Zudem können weder Dateien noch Fotos verschickt werden, was etwa die Suche nach Vermissten erleichtern würde. „Jeder Straftäter kann heute technisch mehr als die Polizei. Fotos und Dokumente müssen endlich von jedem Streifenwagen aus gesendet werden können. Das ist uns auch beim Start des Digitalfunks versprochen worden“, kritisiert Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW.

Ein Thema, das die Gemüter immer wieder erhitzt ist die Frage nach den Funklöchern. Sobald die Beamten in Gebäuden mit Stahlbeton im Einsatz sind, sind die vom Funkverkehr quasi abgeschnitten. Das können Fußballstadien sein, U-Bahn-Tunnel oder Parkhäuser — also Einsatzorte, in denen die Polizei nicht selten zu tun hat.

„Das Problem hatten wir beim Analogfunk auch“, beruhigt Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums. Zudem würden Streifenwagen inzwischen mit Verstärkern ausgestattet, die zum Teil auch geeignet sind, den Empfang in umliegenden Gebäuden zu verbessern.

Der GdP reicht das nicht. Sie fordert, dass Verkehrsbetriebe sowie Betreiber von Tunneln, Tiefgaragen und Stadien, in denen Stahlbeton verbaut wurde, Funkverstärker installieren müssen. Argument: Mit der Einführung des Digitalfunks habe man die Chance, ein Funknetz aufzubauen, das auch bei schwierigen Einsätzen störungsfrei arbeite.

wz.de solinger-tageblatt.de rga-online.de