Die richtige Wahl

Der Begriff „Döner-Morde“ als Umschreibung für eine Mordserie an ausländischen Kleinunternehmern ist zu Recht zum „Unwort des Jahres“ erklärt geworden. Er ist pietätlos und hat mit den tatsächlichen Umständen der Verbrechen nichts zu tun.

Allerdings ist der Vorwurf der Unwort-Jury, dass dadurch die politische Dimension der Fälle ignoriert werden sollte, überzogen. Der Mechanismus hinter der Unwort-Schöpfung ist simpler: Unsere Gesellschaft braucht Schlagworte, um Sachverhalte beschreibbar zu machen. Der Begriff „Döner-Morde“ zeigt, wie sehr das daneben gehen kann. Er ist eben nicht bewusst und überlegt gewählt worden, er war ein hastiger Fehlgriff — was allein schon schlimm genug ist.

Mehr von Westdeutsche Zeitung