Die neue K-Lage bei der SPD

Die neue K-Lage bei der SPD

Nach ihrem Sieg in NRW hat Hannelore Kraft die besten Chancen. Doch sie will nicht.

Berlin. Die „denkbare Kanzlerkandidatin“ strahlt. Wahlsiege tun gut. Erst recht solche. Hannelore Kraft winkt ins Foyer und in Richtung der oberen Stockwerke, wo Mitarbeiter und Besucher des Willy-Brandt-Hauses sie beklatschen. SPD-Chef Sigmar Gabriel betont gleich dreimal Krafts Erfolgsrezept: „Leidenschaft und Herz“. Damit habe die NRW-Ministerpräsidentin die Menschen erreicht. Und: Kraft habe gezeigt, wozu die SPD fähig ist, wenn sie deren Lebensgefühl widerspiegele — „bis hin zur Currywurst“.

Noch am Abend zuvor hatte er die 50-Jährige zur „denkbaren Kanzlerkandidatin“ ausgerufen. Und diese Aussage gleich wieder kassiert. Ohne Risiko und Nebenwirkungen. Denn: Kraft habe es ja selbst ausgeschlossen. Ihr Platz sei in NRW.

„Mächtig stolz“ sei sie auf den Erfolg, sagt Kraft am Tag danach und betont den „Mannschaftserfolg“, der — Dank muss sein — auch durch die Unterstützung der Bundes-SPD möglich geworden sei. Gabriel nickt. Dieser Sieg werde die SPD weiter tragen, „bis nach Niedersachsen und bis zur Bundestagswahl“, sagt Kraft. Am Rande steht Stephan Weil, der im Januar 2013 Niedersachsen für die SPD zurückerobern will.

Kraft fliegt zurück nach Düsseldorf, während sich die Troika aus Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück sortiert: für ihren gemeinsamen Auftritt am Dienstag in Berlin. Offiziell geht es um die Euro-Krise. Doch dahinter ist mehr: Drei Kandidaten für einen freien Platz. Vorerst ohne Kraft.

Wenn er partout will, wird ihn niemand stoppen. Als Parteichef hat Gabriel das erste Zugriffsrecht. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Seit Gabriels Amtsantritt konnte die SPD in allen zwölf Wahlen in den Ländern ihre Ministerpräsidenten-Posten verteidigen, neue hinzugewinnen und sich ansonsten überall die Regierungsbeteiligung sichern. Ferner spricht für Gabriel seine gerade für Wahlkämpfe auf Marktplätzen gefragte Rednergabe. Negativ zu Buche schlagen dagegen seine Sprunghaftigkeit und eher bescheidene Umfragewerte. Auch Anhänger trauen ihm nicht so recht zu, den Kampf gegen die Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) zu gewinnen.

Über mangelnde Popularitätswerte kann sich der Senior des Trios nicht beklagen. Der Ex-Finanzminister hat bis tief hinein in das konservative bürgerliche Kreise Anhänger. Doch nach dem Geschmack vieler in der SPD ist Steinbrück in seiner Paraderolle als neuer Weltökonom einfach zu neoliberal. Dass nach Helmut Schmidt nun auch der andere sozialdemokratische Altkanzler Gerhard Schröder Steinbrück zum Lieblingskandidaten ausgerufen hat, dürfte dessen Aussichten in der SPD kaum steigern.

Dem Kanzlerkandidaten von 2009 hängt immer noch das 23-Prozent-Debakel nach. Der jetzige Bundestags-Fraktionschef hat jedoch nicht nur rhetorisch dazugelernt. Seine Schlappe in der Fraktion kürzlich bei der Abstimmung über den Somalia-Einsatz war ein Warnschuss, gegenüber Schwarz-Gelb künftig weniger nachgiebig aufzutreten. Doch auch erstaunlich viele SPD-Linke setzen offen auf Steinmeier — teilweise auch nur, um Steinbrück so zu verhindern. In der Partei wird kolportiert, dass auch Kraft als neue „Königsmacherin“ Präferenzen für Steinmeier zu erkennen gegeben hat. Ihm wird am ehesten auch das Zustandekommen einer Ampel mit der FDP zugetraut, falls es für Rot-Grün allein 2013 nicht reicht.