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Die Grünen: „NRW könnte den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu decken“

Öko-Strom : „NRW könnte den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu decken“

Die Grünen-Fraktion des Landes fordert mehr Einsatz vom Land NRW, um die Energiewende voranzutreiben und Möglichkeiten auszuschöpfen.

Erneuerbare Energien sind in aller Munde, aber nur in den wenigsten Haushalten enthalten. Das geht aus einer großen Anfrage der Grünen-Fraktion an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hervor. „NRW hat das Potenzial, den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu decken“, sagte die energiepolitische Sprecherin, Wibke Brems (Die Grünen). Bisher werden 12,6 Prozent der in NRW pro Jahr verbrauchten 142 Terawattstunden durch Wasserkraft, Windkraft, Biomasse und Photovoltaikanlagen erzeugt.

Im Vergleich zu 2010 hat sich der Anteil des Ökostroms damit verdoppelt. Das Potenzial der erneuerbaren Energien liegt jedoch bei 180 Terawattstunden. „Allein Wind- und Solarenergie können den aktuellen Bedarf decken“, betonte Brems. Der Datenlage nach ist es möglich, statt der bisher nur 11,4 Terawattstunden 60,7 durch Windkraft zu erzeugen. Durch Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen könnten 98,8 Terawattstunden mehr erzeugt werden.

Die letzte Potenzialanalyse zur Windkraft aus dem Jahr 2013 weist noch viel ungenutzte Flächen auf. Spitzenreiter in der Nutzung von Windenergie ist der Kreis Paderborn. Er erzeugt Strom für 630 000 Haushalte. Bei den kreisfreien Städten liegt Bottrop mit einer Nutzung von 88 Prozent des vorgesehenen Potenzials. Abgeschlagen liegen die Städte unseres Verbreitungsgebiets. Während Remscheid noch 16,1 Prozent nutzt, sind es in Krefeld nur 7,4 Prozent und in Wuppertal 5,4 Prozent. Solingen und Düsseldorf nutzen gar keine Möglichkeiten der Windenergie und teilen sich somit  mit acht weiteren Städten den letzten Platz. Brems fordert mehr Strategie, mehr Willen und mehr Ideenreichtum von der Landesregierung, um diese ungleichen Entwicklungen in den Städten NRWs zu ändern und Potenziale auszunutzen.

Bürger und Verbände beklagen Windkraftanlagen

„Es handelt sich um theoretische Potenziale, deren Umsetzbarkeit von vielfältigen Faktoren abhängt“, heißt es dazu aus dem Energieministerium. Vor allem müssten sie „akzeptanzfördernd und technologieoffen,“ sein. Denn gerade Windenergieanlagen würden von vielen Bürgern und Verbänden beklagt werden. Derzeitig seien es 58 an der Zahl.  Das sind nach Angabe des Ministeriums  20 Prozent aller beklagten Anlagen in Deutschland. Doch gerade die Abstandsregelung von 1500 Metern bezeichnet Brems als akzeptanzschädigend. Durch verschiedene Regelungen würden sich immer Anwohner benachteiligt fühlen. Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) hingegen meint: „Nach unserer Ansicht sollten alle Bundesländer die Möglichkeit bekommen, je nach Siedlungsdichte und geographischen Gegebenheiten mit individuellen Abstandsregelungen die Akzeptanz für den Ausbau der Erneuerbaren zu erhöhen und für möglichst schnelle und rechtssichere Verfahren zu sorgen.“

Mit Photovoltaikanlagen auf Dächern liegt der Kreis Borken auf dem  ersten Platz, bei den Anlagen auf Freiflächen ist Kreis Steinfurt führend. Die Opposition fordert, mehr Flächen in der Nähe von Schienen und Straßen zu nutzen. Aufgrund fehlender Daten zu beispielsweise Bauanträgen, bemängelt Brems das „mangelhafte Monitoring“ der Energiewende. „Wo grundlegende Daten fehlen, braucht man sich über wirkungslose Energiepolitik nicht zu wundern.“ Dennoch hat Minister Pinkwart genaue Ziele formuliert. So soll sich die Leistung bei Photovoltaik bis 2030 von 4,6 GW auf 11,5 GW mehr als verdoppeln.

Erneuerbare Wärme als Teil der Energiewende

Neben Öko-Strom ist auch erneuerbare Wärme ein Thema, das die Grünen in den Fokus rücken wollen. Geothermie, also die Nutzung oberflächennaher Erdwärme sowie die Solarthermie, bei der Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung genutzt wird, spielten eine zentrale Rolle in der Energiewende. Durchschnittlich nutzen die Kommunen ein Prozent der Möglichkeiten dazu. Der Energieminister plane in absehbarer Zeit ein „Entfesselungspaket“ der erneuerbaren Energien vorlegen.