Gesundheit: Die gesetzlichen Kassen erhöhen die Beiträge

Gesundheit: Die gesetzlichen Kassen erhöhen die Beiträge

Düsseldorf. Die gesetzlichen Krankenkassen drehen erneut an der Beitragsschraube: Für die meisten Versicherten klettert die Belastung im nächsten Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent des Bruttoeinkommens.

Grund: Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherun liegen um rund 14 Milliarden Euro niedriger als die Ausgaben. Wie hoch der Beitrag konkret liegt, entscheidet jedes Unternehmen in Eigenregie. Derzeit gibt es 123 gesetzliche Krankenkassen. Alle erheben einen allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Arbeitnehmer und -geber zahlen jeweils die Hälfte. Reicht das der Kasse nicht, kann sie einen Zusatzbeitrag verlangen. Diese Belastung trägt nur der Arbeitnehmer. In diesem Jahr waren das im Schnitt 0,9 Prozentpunkte, so dass die meisten Versicherten einen Gesamtbeitrag von 15,5 Prozent zu schultern haben. Steigt der Zusatzbeitrag nun um 0,2 Prozentpunkte, zahlt ein Arbeitnehmer mit einem Bruttoverdienst von 3000 Euro im Monat sechs Euro mehr.

Die Wahl der richtigen Kasse hängt von Beitragssatz und Leistung ab. Wenn die Kassen den Zusatzbeitrag erstmals erheben oder ihn erhöhen, ergibt sich für die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht. Darauf müssen die Unternehmen ihre Versicherten schriftlich hinweisen. Wer schon 18 Monate oder länger in seiner Kasse ist, kann jederzeit den Anbieter wechseln, ist also nicht auf das Sonderkündigungsrecht angewiesen. Bei der Wahl der richtigen Kasse kommt es auf zweierlei an: Beitragssatz und Leistung. Zwar sind rund 95 Prozent der Leistungen gleich. Doch die Extras können den Ausschlag geben: So gibt es Kassen mit Programmen für chronisch Kranke, Homöopathie oder Geschäftsstellen in Wohnortnähe. Wer vor allem den Beitrag im Blick hat, findet im Internet unter www.gesetzlichekrankenkassen.de eine Übersicht, wie teuer die Unternehmen sind. Unter den bundesweit tätigen Anbietern ist die hkk Krankenkasse (Bremen) 2016 mit 15,19 Prozent die günstigste.

Die Techniker Krankenkasse (TK/Hamburg), hierzulande mit 9,5 Millionen Versicherten der größte Anbieter, erhebt im nächsten Jahr einen Beitrag von 15,6 Prozent und liegt damit geringfügig unter dem Durchschnitt. Weit darüber liegt die drittgrößte deutsche Krankenkasse, die DAK. Sie erhöht den Beitragssatz ab Januar auf 16,1 Prozent. Politisch umstritten ist, dass der Beitrag der Arbeitgeber bei 7,3 Prozent des Bruttoeinkommens eingefroren wurde. Das bedeutet: Steigen die Kosten im Gesundheitswesen, tragen das allein die Arbeitnehmer. Nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach treiben vor allem teure Medikamente, die neu auf den Markt kommen, die Kosten in die Höhe.

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