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Die Edathy-Show in Berlin

Die Edathy-Show in Berlin

Der SPD-Politiker schießt bei seinem spektakulären Auftritt Giftpfeile gegen die eigenen Genossen. Zweifel an Glaubwürdigkeit.

Berlin. Die Begrüßung im Untersuchungsausschuss ist frostig. Sebastian Edathy nickt den Mitgliedern leicht zu, die reagieren kaum. Für die Ausschussvorsitzende Eva Högl (SPD) ist es ein schwerer Gang zum Zeugentisch, sie muss Edathy offiziell in Empfang nehmen, das gebührt die Höflichkeit. Auch sie hat zuvor die Pressekonferenz verfolgt, die Edathy gegeben hat.

Der unter Kinderporno-Verdacht stehende Ex-Abgeordnete hat dabei drei Parteifreunde schwer belastet: Michael Hartmann, den früheren innenpolitischen Sprecher der Fraktion, den früheren BKA-Chef Jörg Ziercke, auch ein SPD-Mitglied. Und den Fraktionschef Thomas Oppermann. Die Affäre wird zum Polit-Krimi.

Nur kurz geben Högl und Edathy sich die Hand. Der 45-Jährige kennt das Spielchen in solchen Situationen ganz genau — er selbst hat den NSU-Untersuchungsausschuss geführt. Nicht hinsetzen, bevor nicht alle Kameraleute und Fotografen den Saal verlassen haben.

Er will kein Angeklagter sein, so soll es nicht aussehen, nicht hier im Bundestag. Dort, wo er 15 politisch erfolgreiche Jahre seines Lebens verbracht hat, wo er zuhause war in der Berliner Einsamkeit, die ihn dazu verleitet hat, „gerne Bier und Wein“ zu trinken. „Auch mal zu viel.“ Das sagt er bei seiner Pressekonferenz, zu der er begleitet von Bodyguards erscheint. Dort betont er aber: „Den Politiker Edathy gibt es nicht mehr.“

Vor den Medien und dem Ausschuss wirkt Edathy kalkuliert, meist souverän, auch wenn er manchmal frech aus der Haut fährt. Es ist der alte Edathy, der jetzt auf Kosten anderer reinen Tisch macht. Weil es ihm um die Aufklärung gehe, betont er. Und weil er vor dem Untersuchungsausschuss die Wahrheit sagen müsse. „Mir geht es nicht um Rache.“

Der Eindruck, den er hinterlässt, ist ein anderer: Patzig wird der 45-Jährige im Ausschuss, als Högl seine Glaubwürdigkeit infrage stellt. Schließlich hat er vor der Presse behauptet, ihm sei ein gerichtliches Angebot zur Einstellung des kinderpornografischen Verfahrens gegen Geldstrafe unterbreitet worden. Fakt ist offenbar: Sein Anwalt hat danach gefragt. Auch kann er sich Giftpfeile nicht verkneifen. Etwa gegen SPD-Chef Sigmar Gabriel. Das ist seine Verteidigungsstrategie. Wenn‘s heikel wird, wird er aggressiv. „Ob ich pädophil bin oder nicht, geht Sie nichts an“, pampt er einen Journalisten an.

Dafür berichtet er lieber von seinen Kontakten und Gesprächen zum Mainzer SPD-Abgeordneten Michael Hartmann, der unlängst eine Drogenaffäre am Hals hatte und am Abend auch vernommen wurde. Einen zwölfseitigen, ausgewählten SMS-Verkehr zwischen November 2013 und seiner Mandatsniederlegung Anfang Februar legt Edathy dem Ausschuss vor, dazu eine eidesstattliche Versicherung über die Abläufe.

Hartmann habe ihn auf dem Laufenden gehalten. Der wiederum sei vom früheren BKA-Chef Jörg Ziercke am Rande einer Tagung informiert worden. Starker Tobak. „Bist Du bereit für eine schlechte Nachricht?“ Mit diesen Worten soll Hartmann Edathy am 15. November über den Verdacht unterrichtet haben. Stimmt das alles? Die Beschuldigten haben bisher alles abgestritten.

„Ich führe ein Leben im Ausnahmezustand“, sagt Edathy. „Dieses Kapitel möchte ich lieber früher als später abschließen.“ Das wird ihm wohl nicht gelingen - denn dieser Kriminalfall ist noch lange nicht gelöst. Anfang 2015 folgen die Vernehmungen von Ziercke - und wohl der gesamten SPD-Spitze.