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Verkehr: Das sind die neuen Verkehrszeichen

Verkehr : Das sind die neuen Verkehrszeichen

Der neue Verkehrszeichenkatalog ist in Kraft getreten. Einige neue Schilder muten etwas skurril an. Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.

Düsseldorf. Manchmal kann Matthias Pachel nur mit dem Kopf schütteln, was seine Schützlinge in der theoretischen Führerscheinprüfung so für abenteuerliche Antworten in den Fragebögen ankreuzen. „Ein Klassiker ist das Gefahrenzeichen mit dem X in der Mitte, das ja ’Vorfahrt von rechts gewähren’ bedeutet. Viele können das nicht richtig zuordnen“, beklagt der Fahrlehrer aus Köln - und muss sich wohl darauf einstellen, dass auf die Fahranfänger nun einige Änderungen zukommen werden. Denn am 30. Mai ist der neue Verkehrszeichenkatalog in Kraft getreten, den das Bundesamt für Straßenwesen (BASt) gerade veröffentlicht hat. Hier sehen Sie eine vollständige Übersicht der Änderungen.

Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder die Einführung der Pkw-Maut — Verkehrszeichen sind immer auch Dokumente technischer Innovationen, politischer Veränderungen und des Zeitgeistes, wie Matthias Rohloff, Leiter der Abteilung Straßenverkehrstechnik beim BASt deutlich macht. „Das Hinweisschild für Bahnübergänge zeigte früher eine Dampflokomotive. Heute ist darauf ein ICE abgebildet, weil die Lok einfach nicht mehr zeitgemäß war. Generell müssen Verkehrszeichen gut erkennbar, schnörkellos und möglichst geschlechtsneutral gestaltet sein.“ Was letzteren Aspekt betrifft, ist die Sache mit der politischen Korrektheit manchmal gar nicht so einfach.

So wurde im BASt schon ernsthaft diskutiert, ob das Radweg-Zeichen möglicherweise Frauen diskriminiere, da darauf unverkennbar ein Herrenfahrrad mit einer Querstange abgebildet ist. Genauestens durchdacht ist auch das Verkehrszeichen „Achtung, spielende Kinder!“, das heute ein größeres Mädchen mit einem kleinen Jungen an der Hand zeigt. Einst war darauf ein erwachsener Mann, Hand in Hand mit einem Mädchen, zu sehen. „Das Zeichen weckte wohl bei manchen Menschen die Assoziation, dass auf dem Schild ein erwachsener Mann ein Kind verführt. Deshalb wurde es verworfen“, erklärt Rohloff. Dinge, die bedacht sein wollen.

Der alte Verkehrszeichenkatalog war bereits seit 1992 gültig und enthielt einige überholte Schilder, von denen sich das BASt nunmehr verabschiedet hat. Abgeschafft wurde zum Beispiel das Hinweisschild auf einen beschrankten Bahnübergang. Getreu dem Motto „wer gucken kann, ist klar im Vorteil“, vertraut die Politik im neuen Katalog darauf, dass die Verkehrsteilnehmer einen beschrankten Bahnübergang an einer Schranke erkennen. „Auf einen unbeschrankten Bahnübergang muss natürlich immer noch durch ein Schild hingewiesen werden“, sagt Rohloff.

„Aber die findet man ohnehin nur noch sehr selten.“ Für überflüssig hielten Verkehrsexperten inzwischen auch ein Verkehrszeichen, das auf Omnibusse hinweist. „Früher waren die Busse deutlich langsamer als die Autos unterwegs. Heute sind sie in den fließenden Verkehr integriert und man muss nicht extra darauf hinweisen.“ Flott unterwegs sind heute auch Inlineskater. Die Rollen unter den Füßen gelten offiziell als Spielgerät; deshalb müssen die Skater streng genommen den Bürgersteig benutzen.

Es sei denn, ein neues Verkehrsschild erlaubt ihnen ausdrücklich, auf dem Radweg zu sausen. Prinzipiell gilt in der Straßenverkehrsordnung im Hinblick auf die Quantität der Verkehrsschilder die Maxime „Weniger ist mehr“. Die Erfahrung habe gezeigt, dass ein Schilderwald eher Verwirrung bei den Verkehrsteilnehmern stiftet, als dass er ihnen nützt, so Rohloff. Wenn an einer Kreuzung mal kein Vorfahrtsschild angebracht war, ist dies ein gern bemühtes Totschlagargument von Anwälten, wenn es darum geht, ihren Mandanten nach einem Unfall aus der Sache rauszuboxen. Sicherlich ist der Straßenverkehr mancherorts komplexer und unübersichtlicher geworden.

Doch früher war eben auch nicht alles besser, sagt einer, der es wissen muss. Alfred Noell (84), hat als Autor mit „Der siebte Sinn“, eine Sendung über Verkehrserziehung im WDR, Fernsehgeschichte geschrieben. „Vor allem unter Mercedes-Fahrern gab es früher so etwas wie die eingebaute Vorfahrt“, erinnert sich der 84-jährige. „Da hat sich vieles zum Positiven verändert.“