Das neue Personalproblem der katholischen Kirche

Das neue Personalproblem der katholischen Kirche

Gleich sechs Bischofsstühle sind derzeit vakant. Papst Franziskus lässt sich aber Zeit mit den Nachfolgeregelungen.

München. In der katholischen Kirche galt bisher folgende Regel: Ein neuer Bischof braucht so lange wie eine Schwangerschaft. Ungefähr neun Monate dauerte die Neubesetzung eines Bischofsstuhls. Doch seit der Wahl von Papst Franziskus gilt das nicht mehr. Denn der reformfreudige Pontifex lässt sich viel Zeit. Zu viel, sagen manche. Die Kirche in Deutschland hat ein Personalproblem.

In Limburg ist nach dem Weggang von Franz-Peter Tebartz-van Elst ebenfalls der Bischofsstuhl frei. Foto: dpa

Nach dem Aus für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sind sechs Bischofsstühle vakant. Ein weiterer wird absehbar in Mainz frei, denn Kardinal Karl Lehmann wird im Mai 78 Jahre alt. Seit langem leidet die Kirche unter einem Nachwuchsmangel bei Priestern. Jetzt ist dieses Problem auch in den Führungsämtern angekommen. Ein großer Umbruch steht bevor.

Der Mainzer Bischof, Karl Kardinal Lehmann, und ... Foto: dpa

Beispiel Passau: Im Oktober 2012 nahm der damalige Papst Benedikt XVI. den altersbedingten Rücktritt von Wilhelm Schraml an. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers sollte der 77-Jährige sein Bistum aber noch als Administrator leiten. Monat für Monat verstrich, ohne dass sich etwas tat. Schraml verlor sichtlich die Geduld und zog im Sommer 2013 mit seinem privaten Wohnsitz nach Altötting. Kurz darauf wurde er von seinem Amt entpflichtet, aber statt eines neuen Bischofs wurde nur ein neuer Diözesanadministrator ernannt. Ebenso lange — seit eineinhalb Jahren — warten die Katholiken im Bistum Erfurt auf einen neuen Oberhirten. Im mächtigen Erzbistum Köln wird ein Nachfolger für Kardinal Joachim Meisner gesucht. In Hamburg ging Erzbischof Werner Thissen in den Ruhestand.

... Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch treten ab. Foto: dpa

Bisher musste ein Bischofskandidat, der Karriere machen wollte, vor allem das sein: streng rechtgläubig, theologisch gebildet und diszipliniert. Franziskus gibt nun ein neues Leitbild vor: Er sucht Hirten aus dem Volke, nahe am Volk, bescheidene Seelsorger. Doch davon gibt es offenbar nicht genug.

Zugleich lässt der Papst Sympathien erkennen für eine alte Forderung von Reformkatholiken: dass die Gläubigen eines Bistums an der Suche nach ihrem Bischof beteiligt werden.

Bisher ist das Verfahren sehr intransparent. Eine wichtige Rolle spielt der Apostolische Nuntius in Deutschland. Doch auch in dem Amt gab es einen Wechsel, der zur Verzögerung beiträgt: Seit September ist Erzbischof Nikola Eterovic neu in Berlin. Er soll die Personalprobleme nun lösen helfen. Viel Zeit bleibt ihm nicht.

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