Bundeswehr: Soldatinnen haben einen schweren Stand

Frauen bei der Bundeswehr kämpfen gegen Vorurteile und Sexismus der Kameraden.

Die Vorbehalte gegenüber Soldatinnen sind gewachsen.

Die Vorbehalte gegenüber Soldatinnen sind gewachsen.

Foto: Oliver Berg

Berlin. Seit 25 Jahren gibt es Frauen in der Bundeswehr, seit 15 Jahren auch im Dienst an der Waffe. Sie stellen heute zehn Prozent aller Soldaten. Und trotzdem herrscht noch längst keine Normalität. Im Gegenteil: Eine gestern veröffentlichte Studie ergab, dass die Vorbehalte der männlichen Soldaten gegen ihre Kameradinnen gewachsen sind.

Die Ergebnisse der vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegebenen Befragung sind Futter für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyens (CDU) Pläne, die Armee attraktiver und familienfreundlicher zu machen. Nur noch 57 Prozent der Soldatinnen würden sich heute wieder für den Militärberuf entscheiden. 2005 waren es 66 Prozent. 24 Prozent der Frauen würden den Dienst gern vor Ablauf quittieren, mehr als doppelt so viel wie in der vorhergehenden Studie (elf Prozent).

Bei den männlichen Soldaten wachsen derweil die Vorbehalte: Bis zu 25 Prozent von ihnen haben ein grundsätzliches Problem mit Frauen in der Bundeswehr. Sie wollen, dass die Integration von Frauen wieder ganz zurückgedreht wird, oder Soldatinnen wie vor 2000 nur bei den Sanitätern Dienst tun dürfen. 32,6 Prozent der Männer sagen, dass Frauen von Vorgesetzten besser behandelt würden, 62 Prozent, dass sie bessere Karrierechancen hätten und 51 Prozent, dass sie zu positiv beurteilt würden. Diese Werte haben gegenüber 2005 deutlich zugenommen, ebenso wie die Männer-Ansicht, dass die Bundeswehr durch Frauen an Kampfkraft verliere.

Zugleich blühen andere Vorbehalte, zum Beispiel, dass Frauen dem harten Leben im Feld nicht gewachsen seien (34 Prozent) oder dauernd beschützt werden müssten (22,2 Prozent).

Neben der Ablehnung, die sie durch die Männer erfahren, gibt es weitere Gründe für die sinkende Zufriedenheit der Soldatinnen. Nur 51,3 Prozent finden, dass ihr Beruf mit der Familie vereinbar ist. Das ist ein massiver Rückgang gegenüber 2005 um 15 Prozentpunkte. Hinzu kommt Sexismus: Von derben Witzen in ihrer Gegenwart berichten 48 Prozent der Soldatinnen. Jeweils rund ein Viertel gab an, dass sie mit pornografischen Darstellungen konfrontiert wurde. Vergewaltigungen haben drei Prozent erlebt. Das sind hochgerechnet auf die 18 500 Frauen, die derzeit in der Armee Dienst tun, mehr als 500 Fälle. Die Studie unter: bmvg.de

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