Die Wucht der globalen Klasse: "Besorgte Bürger" gegen den Rest der Gesellschaft

Die Wucht der globalen Klasse: "Besorgte Bürger" gegen den Rest der Gesellschaft

Gast-Autor Michael Seemann begründet die tiefen Gräben zwischen den national bezogenen besorgten Bürgern und der Restgesellschaft mit einem kulturellen Ungleichgewicht. Eine Analyse.

Berlin. Die westliche Welt ist in heller Aufregung. Von überall her sprießen neue rechte Bewegungen aus dem Boden oder gewinnen an Fahrt. Von Trump, über AfD, FPÖ, Le Pen bis zu Brexit scheinen sie Leuten eine Stimme zu geben, die vorher glaubten, nicht zu Wort gekommen zu sein. Seitdem wird abseits der „besorgten Bürger” gerätselt, was die Ursachen für diesen Unmut sein könnte.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass gerade „die Linke“ hier einen gespenstischen Wiedergänger ihrer Selbst gefunden haben zu glaubt. Und so sind auch die interpretatorischen Vereinnahmungsversuche nicht weit. Das seien alles Globalisierungsverlierer, vom kapitalistischen System abgehängte, die hier ihre politische Stimme finden. Die rüsten für den Klassenkampf, aber haben aufgrund „falschen Bewusstseins” nur noch nicht realisiert, dass ihr eigentlicher Feind der Kapitalist ist.

Foto: Ralf Stockmann


Die Zahlen geben das allerdings nicht her. Zwar ist es richtig, dass sich das Heer der Frustrierten zu einem Gutteil aus geringverdienenden und wenig gebildeten Dienstleistungsarbeiter/ innen speist.

Aber da ist ist noch eine zweite, fast genau so große Gruppe. Das mittlere Bürgertum ist ebenfalls gut vertreten auf den Barrikaden. Heinz Bude spricht schon von einer strategischen Allianz aus Arbeiterschaft und frustriertem Bürgertum. Doch während sich die Motivlagen der prekär Beschäftigten marxistisch deuten lassen, passen die Wutbürger nicht so recht ins Bild.

Ist das nicht ein merkwürdiger Klassenkampf, in der Arbeiter und Bürger Seit an Seit gemeinsam kämpfen?

Der blinde Fleck, der uns befällt, wenn wir darauf schauen wollen, was diese Leute aufregt, ist deswegen wirksam, weil wir selbst Stein des Anstoßes sind. Verlegen schauen wir uns um, aber da ist niemand. Uns? Sie meinen tatsächlich uns?

Ja, das tun sie. . . .

Den Beitrag in voller Länge können Sie im Blog (mspro) von Michael Seemann lesen:

http://mspr0.de/?p=4696

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