Atomlager Asse bleibt bis 2033 bestehen

Atomlager Asse bleibt bis 2033 bestehen

Die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks besucht das frühere Salzbergwerk, um sich ein Bild zu machen.

Remlingen. In weißer Bergmannskluft steigt Barbara Hendricks aus dem Förderkorb aus. Als erstes stattet die Bundesumweltministerin ihrer Namenspatronin einen Besuch ab. Eine Holzskulptur der Heiligen Barbara steht hier in 490 Meter Tiefe, von schummrigem Licht bestrahlt, auf einem Salzkristall in einer Glasvitrine. Die Patronin der Bergleute ist in dem früheren Salzbergwerk Asse auch Patronin für ein Atommüll-Rückholprojekt, das weltweit beispiellos ist. Und mehrere Milliarden Euro kostet.

Ernüchtert muss die SPD-Politikerin weiter unten bei den Atommüllkammern erkennen, dass sie eine Aufgabe geerbt hat, deren Bewältigung sie als Ministerin nicht mehr erleben wird, wie sie zugibt.

Vor 2033 werde „aus heutiger Sicht“ die Rückholung wohl nicht beginnen. Aber: 2012 lautete die Zielmarke noch 2036. Voraussetzung ist ohnehin, dass bis dahin das Bergwerk noch steht. „Die Asse gilt als Sinnbild des Scheiterns der Endlagerung“, sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König. Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung hatte die Asse im Auftrag des Bundes 1965 erworben, um ein Endlager einzurichten und zu forschen. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Bis 1978 wurden hier in unverantwortlicher Weise 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll abgekippt. 2008 wurde nach dem Auftreten kontaminierter Salzlauge das Ausmaß des Skandals sichtbar.

Das BfS übernahm schließlich das Kommando. Seitdem ist die Asse Hochsicherheitsgebiet mit strengen Strahlungskontrollen. Warum dauert alles so lange? Zum einen muss ständig daran gearbeitet werden, dass das Bergwerk nicht absäuft, täglich dringen rund 12 000 Liter Wasser ein. Hendricks Vorgänger Peter Altmaier (CDU) kam im Juni 2012 kurz nach Amtsantritt, zusammen mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, der hier seinen Wahlkreis hat. Altmaier durfte den Startknopf für das Anbohren von Kammer 7 geben.

Diese Abtastphase wird noch Jahre dauern. Auch Hendricks steht am Dienstag vor der Bohranlage. Außer dass nun alles hinter einer Schutzschleuse verschlossen ist, scheint sich hier wenig bewegt zu haben. Die erste monatelange Bohrung traf die Kammer nicht richtig, weil sie sich wegen des Bergdrucks um zwei Meter gesenkt hatte. Die Kammern wurden zum Teil auf über 20 Metern Länge mit Beton verfüllt. Bisher ist weitgehend unklar, wie es drinnen aussieht.

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