Arme Schweine: Gebären wie am Fließband

Arme Schweine: Gebären wie am Fließband

Naturschützer kritisieren den Einsatz von Hormonen. Das sei auch eine Gefahr für den Menschen.

Berlin. Ihre Proteste gegen den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung haben zu Gesetzesänderungen geführt, die ab April wirksam werden. Jetzt richten die Naturschützer vom BUND ihre Kritik auf Hormonabgaben in der Schweinezucht.

Laut einer BUND-Studie werden Sexualhormone systematisch an Zuchtsauen verabreicht, um die Würfe zu vergrößern. In der bäuerlichen Landwirtschaft erreiche man ähnliche Effekte durch intensivere Betreuung der Tiere oder bestimmte Lichtprogramme. Die Hormonabgabe betreffe vor allem industrielle Zuchtanlagen mit bis zu 10 000 Sauen. Dort versuche man mit Medikamenten die Tiere in ihrem Fruchtbarkeitszyklus zu „synchronisieren“, um die künstliche Besamung arbeitssparend durchführen zu können. Weitere Hormone gebe es, um die Geburten zeitlich zu steuern, und anschließend, um die Tiere schnell wieder trächtig werden zu lassen.

Laut BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning versuche man, aus den Sauen „das Letzte rauszuholen“. Die durchschnittliche Ferkelzahl pro Sau und Jahr ist seit 1994 laut der Studie von 18,5 auf 25 gestiegen. Sauen werden kaum noch drei Jahre alt. Oft würde bei den Würfen die Ferkelzahl die 14 Zitzen übersteigen, die die meisten Sauen haben, so dass der Nachwuchs nicht richtig ernährt werden kann. Die überzähligen Tiere würden erschlagen.

Auch der Mensch sei negativ betroffen, sagte Benning. Über die Ausscheidungen der Tiere könnten Hormonreste ins Trinkwasser gelangen. Dort gebe es ohnehin eine Grundbelastung mit Hormonen aus der Humanmedizin, etwa der Anti-Babypille, sowie aus der Rinderzucht.

Allerdings ist die beim Menschen eingesetzte Menge an Hormonen mit rund 13 Tonnen fast 20 Mal so hoch wie die registrierten 670 Kilogramm für Zuchtsauen. Die Zahl stammt aber von 2003. Der BUND verlangt neue Statistiken und eine bessere Registrierung, etwa in Dateien zusammen mit dem Antibiotika-Einsatz. Erst so könne man auch überwachen, dass bei einer Schlachtung nach einer Hormonabgabe die Karenzzeit von neun Tagen eingehalten werde. Ansonsten könnten Hormone direkt im Fleisch stecken.

Vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter reagieren Menschen äußerst sensibel auf Störungen ihres Hormonhaushaltes. Das kann zu Missbildungen der Sexualorgane, vorzeitiger Pubertät und sogar erhöhten Krebsraten führen.

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