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Arbeitszeiten für glückliche Familien

Arbeitszeiten für glückliche Familien

Wirtschaft und Gewerkschaften wollen flexible Beschäftigungsmodelle fördern.

Ehningen. Auf Familien abgestimmte Arbeitszeitmodelle sind längst kein Ausdruck selbstlosen Wohlwollens gegenüber Arbeitnehmern mehr, sondern das Ergebnis strategischer Überlegungen in den Unternehmen. Denn in Zeiten von Fachkräfte- und Spezialistenmangel treten die Firmen um die besten Köpfe in den Wettbewerb.

„Um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein oder zu werden, muss man heute Arbeitszeitmodelle anbieten, die bei Familien gut ankommen“, ist Dieter Scholz, Personalchef bei der deutschen Tochter des US-Technologiekonzerns IBM, überzeugt.

Das Thema treibt die Politik auch auf höchster Ebene um. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU) hatten am Dienstag hochrangige Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter zu einem Gespräch über „familienbewusste Arbeitszeiten“ eingeladen.

Sie unterzeichneten eine Charta, in der sie familienfreundliche Arbeitszeiten zum gemeinsamen Ziel erklärten. Das Gespräch war Teil einer Initiative, die das Familienministerium und die Industrie- und Handelskammern 2010 angesichts des Fachkräftemangels gestartet hatten.

Die IBM Deutschland mit Sitz in Ehningen bei Stuttgart arbeitet — inspiriert vom US-Mutterkonzern — schon seit Jahren am Thema Familienfreundlichkeit. „Wir bieten die Kombination von flexiblen Arbeitszeiten und mobilen Arbeitsplätzen“, berichtet Scholz. So können die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, von zu Hause aus arbeiten oder ihr Arbeitsverhältnis bis zu sechs Jahre ruhen lassen, sei es für die Kinderbetreuung oder für die Pflege Angehöriger.

Auch nach so langen Abwesenheiten stellt das Unternehmen einen „adäquaten Arbeitsplatz“ bereit. „Wichtig ist, dass sich die Kollegen während dieser langen Zeit weiterbilden und Kontakt zu ihrer Abteilung und ihrem Chef halten“, betont IBM-Manager Scholz. Die Firma hält dafür Material und Online-Weiterbildungskurse bereit.

Warum tut sich die deutsche Wirtschaft mit der Familienfreundlichkeit so schwer? Scholz vermutet: „In vielen Firmen wird es nicht gern gesehen, wenn ein Mitarbeiter nicht körperlich im Büro anwesend ist — sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren.“