1. Politik
  2. Inland

Bericht: Alkohol bleibt Volksdroge Nummer Eins

Bericht : Alkohol bleibt Volksdroge Nummer Eins

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung legt aktuelle die Suchtbilanz vor. Danach ist der Cannabis-Konsum gestiegen.

Berlin. Legale Drogen wie Alkohol und Tabak richten trotz rückläufigen Gebrauchs nach wie vor deutlich größere gesellschaftliche Schäden an als der Konsum illegaler Rauschmittel. Das stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marianne Mortler (CSU), am Freitag bei der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts klar. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

7,8 Millionen Menschen in Deutschland, also gut neun Prozent der Gesamtbevölkerung, konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge. Bei Frauen sind das mehr als 12 Gramm Reinalkohol pro Tag, bei Männern mehr als 24 Gramm. Zum Vergleich: Ein kleines Bier enthält knapp 13 Gramm Reinalkohol, ein Glas Wein 8,8 Gramm und ein kleiner Schnaps rund sechs Prozent Reinalkohol. Am meisten wird in der Altersgruppe der 55- bis 64jährigen zur Flasche gegriffen. Insgesamt ist der Konsum aber rückläufig. Von den 12- bis 17jährigen zum Beispiel geben aktuell zehn Prozent an, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken. Im Jahr 2005 waren es noch fast 19 Prozent. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland pro Jahr bis zu 74.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Allein durch Unfälle wegen Trunkenheit entstand in den Jahren 2010 und 2014 ein Schaden von fast 7,8 Milliarden Euro.

Die Bundesbürger greifen immer weniger zur Zigarette. Und auch hier ist dieser Trend bei den Jüngeren besonders stark ausgeprägt. 2001 qualmten in der Altersgruppe der zwölf- bis 17jährigen noch knapp 28 Prozent, aktuell sind es weniger als zehn Prozent. Unter den erwachsenen Frauen ging die Quote seit 2010 von 26,2 auf 20,8 Prozent zurück. Bei den Männern reduzierte sich der Anteil der Raucher von 33,9 auf 27 Prozent. Aktuell gelten 4,8 Millionen Erwachsene bis 64 Jahre als nikotinabhängig. Schätzungen zufolge sterben jährlich rund 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Die Kosten für die Behandlung von Krankheiten und Gesundheitsbeschwerden im Zusammenhang mit dem Tabakkonsum belaufen sich auf gut 25 Milliarden Euro jährlich. Das ist deutlich mehr als das Aufkommen aus der Tabaksteuer (2016: 14,19 Milliarden Euro).

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1333 Todesfälle durch Heroin, Kokain und andere illegale Substanzen von der Polizei registriert — neun Prozent mehr als 2015. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit der synthetischen Substanz Crystal Meth stieg von 24 auf 26. Ein weiteres Problem sind psychoaktive Stoffe, so genannte Legal Highs, die zum Beispiel als „Badesalze“ oder „Reiniger“ angeboten werden. In ihrer Wirkung ähneln sie bekannten Substanzen wie Cannabis oder Ecstasy. Knapp drei Prozent der 18- bis 64jährigen haben solche Stoffe schon mindestens einmal konsumiert. Unter den 12- bis 17jährigen sind es nur 0,1 Prozent.

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Tendenz steigend. 2015 griffen 7,3 Prozent der 12- bis 17jährigen darauf zurück. Nach einem Rückgang in den Jahren 2004 und 2001 entsprach das zuletzt einem Zuwachs von zwei Prozentpunkten. Die Zahl der Cannabis-Konsumenten im Alter von 18 bis 64 Jahren wird aktuell auf 3,1 Millionen geschätzt - so viele wie zuletzt im Jahr 2003. Die Drogenbeauftragte Mortler warnte eindringlich davor, Cannabis zu unterschätzen. Das sei kein harmloses Genussmittel, allein schon deshalb, weil der Wirkstoffgehalt heute viermal höher sei als noch vor einigen Jahrzehnten, so Mortler. Cannabis könne Angstzustände und negative Folgen für die Hirnentwicklung auslösen.