Politik: Heiko Maas - Ein Mann mit Ausdauer

Politik: Heiko Maas - Ein Mann mit Ausdauer

Berlin. Auf eine grundlegende Eigenschaft, über die ein Außenminister verfügen sollte, kann Heiko Maas durchaus selbstbewusst verweisen: Er hat Ausdauer. Maas ist passionierter Triathlet, der 51-Jährige joggt regelmäßig, er hat also einen langen Atem.

Den wird er künftig mehr denn je benötigen, wenn er in der Welt der Diplomatie unterwegs ist. Denn in keinem anderen Amt muss man so beharrlich dicke Bretter bohren, um dann womöglich doch nicht erfolgreich zu sein.

Mit Misserfolgen kennt sich der SPD-Mann freilich aus. Im Saarland ging er dreimal als Spitzenkandidat seiner Partei ins Rennen, dreimal scheiterte er. Das brachte ihm den Ruf des Verlierers ein. Umso überraschender war es, als der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel den Saarländer 2013 als Justiz- und Verbraucherminister auf die Berliner Bühne holte. Seitdem hat Maas eine enorme Wandlung durchlaufen. Auch persönlich: Er trägt schicke Anzüge, ist viel smarter als früher und ist inzwischen mit der Schauspielerin Natalia Wörner liiert.

Vom politisch Abgehängten wurde der Vater von zwei Kindern zum fleißigsten und wohl auch anerkanntesten SPD-Minister in der schwarz-roten Bundesregierung. Kaum ein anderer Ressortchef machte sich an so vielen Vorhaben zu schaffen - Mietpreisbremse, Frauenquote, Anti-Doping-Gesetz, Änderungen im Sexualstraffecht, um nur einige Beispiele zu nennen. Er handelte sich auch jede Menge Kritik ein: Etwa mit seinem Schwenk bei der Vorratsdatenspeicherung oder seinem umstrittenen Gesetz gegen Internethetze. Häufig drängte er mit neuen Initiativen in die Medien, was ihm zugleich den Ruf des Ankündigungsministers einbrachte. Kein anderer Bundesminister setzte sich allerdings so vehement für die Grundrechte ein. Keiner keilte so kräftig zurück gegen AfD und Pegida wie er. Das hat Maas ebenso zum meistgehassten Minister in der rechten Szene gemacht. Vor einigen Monaten wurde eine Neun-Millimeter-Patrone im Briefkasten seiner Privatwohnung gefunden.

Als „Hoffnungsträger“ der SPD wurde Maas immer mal wieder gehandelt, was bei den Genossen allerdings ziemlich schnell geht. Manch einer sah in ihm schon einen möglichen Kanzlerkandidaten. Dass Maas im Kabinett verbleiben würde, galt als sicher. Nun wird er Außenminister und Nachfolger von Sigmar Gabriel. Dass er Diplomatie kann, hat er zumindest in der Bundesregierung bewiesen: Mit Innenminister Thomas de Maiziere konnte er sich meist rasch auf gemeinsame Linien unter anderem bei den Gesetzesverschärfungen im Asylbereich einigen; die traditionellen Spannungen zwischen Justiz- und Innen-Ressort verstand Maas gut zu umschiffen. Poltern ist nicht sein Ding, dennoch kann Maas hart in der Sache und in der Wortwahl sein. Er spricht etwas Französisch und gut Englisch. Als großer Außenpolitiker ist er bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Chefdiplomatin ist inzwischen ja auch Kanzlerin Angela Merkel — aus deren Schatten muss Maas sich nun vor allem befreien.