Hannelore Kraft: „NRW im Herzen und kein Rückfahrticket“

Hannelore Kraft: „NRW im Herzen und kein Rückfahrticket“

Die amtierende Ministerpräsidentin nimmt den Namen ihres Konkurrenten nicht in den Mund.

Düsseldorf. Die SPD hat sich sechs Wochen vor der Landtagswahl in NRW geschlossen hinter ihrer Spitzenkandidatin, der amtierenden Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, versammelt. Bei dem Parteitag am Samstag in Düsseldorf erhielt Kraft eine eindrucksvolle Rückendeckung mit lediglich zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung — das bedeutete exakt 99,3 Prozent Zustimmemung. Diese bewegte sich damit auf dem Niveau des langjährigen Regierungschefs Johannes Rau.

Kraft redete mehr als 60 Minuten, nutzte die Gelegenheit, um zwei klare Botschaften auszusenden: Sie sieht in der CDU den Hauptkonkurrenten, und sie will die Partnerschaft mit den Grünen fortsetzen. Die Positionierung gegen die CDU treibt Kraft selbstbewusst auch aus bundespolitischem Interesse voran — weil es auch um ein Signal für einen Wechsel in Berlin geht. „Ich habe die Minderheitsregierung gewagt aus einem Grund. Zum Wohle des Landes mussten wir die Chance auf einen Politikwechsel nutzen“. Das sei gelungen, Rot-Grün habe eine gute Arbeit hingelegt.

Kraft kündigte einen „TurboWahlkampf mit Herzblut“ an, sie habe „NRW im Herzen“ und kein Rückfahrticket. Den Namen ihres Konkurrenten nahm sie nicht in den Mund, aber auch so wusste jeder, dass sie damit Norbert Röttgen (CDU) an seiner sensiblen Stelle treffen wollte — sein fehlendes Bekenntnis zu NRW ohne Wenn und Aber.

Röttgen will sie wiederum beim Thema Schuldenpolitik stellen. Da versuchte Kraft vorzubauen: CDU und FDP hätten in fünf Jahren 14 Milliarden Euro neue Kredite aufgenommen und fielen daher als Ratgeber aus. Keinen Zweifel ließ sie an ihrem Willen, die politische Partnerschaft mit den Grünen fortzusetzen. „Das hat sich bewährt, das wollen wir weitermachen.“

Die rund 450 Delegierten jubelten ihrer Spitzenfrau zu, sie nahm das gerührt entgegen. Vor zwei Jahren, im März 2010, war die Stimmung in der Partei noch eine ganz andere: verzagt, ohne rechten Siegeswillen. So schnell kann sich das ändern.

Dass NRW wieder SPD-Land ist, versuchte auch Bundesparteichef Sigmar Gabriel zu transportieren, vor allem aber für sich zu nutzen. Immer wieder sprach er vom Signal, das am 13. Mai aus Düsseldorf nach Berlin für die Bundestagswahl 2013 ausgesendet werden soll. „Der Wiederaufstieg der SPD wurde im Mai 2010 in NRW eingeleitet“, sagte Gabriel. Die SPD steht im Bund bei 26 Prozent, in NRW aber bei 40.

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