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Gentleman: „Wir dürfen Afrika nicht vergessen“

Gentleman: „Wir dürfen Afrika nicht vergessen“

Der Kölner Reggae-Musiker engagiert sich für die Globalisierungs-Kritiker.

Der Kölner Reggae-Star Gentleman ist einer von vielen deutschen Musikern, die sich gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm engagieren.

Gentleman, was motiviert Sie, sich bei "Move Against G8” zu beteiligen?

Gentleman: Wir haben als Künstler eine sehr große Verantwortung, weil die Musik ein wichtiges und kraftvolles Sprachrohr ist, vielleicht noch bedeutender als die Politik. Das haben Leute wie Bob Geldof oder Bono eindrücklich bewiesen. Für mich ist ihr Engagement gegen die Armut ein Vorbild. Der G8-Gipfel selbst ist eine optimale Plattform, um zu verhindern, dass das, was in Afrika passiert, einfach vergessen wird.

Warum ist gerade Afrika ein so wichtiger Kontinent für Sie?

Gentleman: Ich war bereits mehrfach in Afrika. Wir haben in Gambia eine Tour gemacht und in Ghana das Video zum Song "Tabula Rasa" gedreht. Das, was ich alleine auf der Fahrt vom Flughafen ins Hotel an Armut gesehen habe, hat mich zutiefst getroffen. Für mich ist Afrika die Wiege der Menschheit und nicht ein Kontinent, den man einfach vergessen darf. Deshalb habe ich mit Anne Will und Wolfgang Niedecken bereits ein gemeinsames Projekt initiiert, und im nächsten Jahr planen Wolfgang und ich ein weiteres, das Kindersoldaten in Uganda zum Thema hat. Mir ist dieser Kontinent sehr vertraut, dort fühle ich mich an der Quelle.

Welche Rolle spielt das Festival gegen den Gipfel in Rostock?

Gentleman: Unsere Arbeit ist nicht nur auf ein Ereignis ausgerichtet. Es geht vielmehr um eine Einstellung, die wir langfristig vermitteln möchten.

Weshalb haben Sie gerade den Song "Caan Hold Us Down" für die gemeinsame CD ausgewählt?

Gentleman: Weil er genau das aussagt, was wir wollen - nämlich dranbleiben und sich nicht frustrieren lassen, auch wenn man beim ersten Anlauf noch nichts erreicht. Es ist traurig, dass Stücke, die solche Inhalte transportieren, in den Charts gegen die Partysongs kaum ein Chance haben. Aber das bedeutet nicht, einfach aufzugeben. Daher habe ich für mein neues Album viele Songs geschrieben, die die Verteilung zwischen arm und reich zum Thema haben.

Derzeit wird sehr viel über die Sicherheitsmaßnahmen in Heiligendamm diskutiert. Was für ein Gefühl haben Sie dabei?

Gentleman: Ich war jetzt mehr als drei Monate in Jamaika und habe kaum etwas von der Politik hier mit bekommen. Daher war es ein Schock, als ich zurückkam und von Dingen wie Geruchsproben von Gipfelgegnern hörte. Diese Paranoia in Sachen Sicherheit ist schrecklich und trifft immer die Meinungsfreiheit.

Wie beurteilen Sie den Gipfel selbst?

Gentleman: Der Gipfel ist zu 80 Prozent eine Schauveranstaltung. Da findet man den gleichen Stillstand wie bei der Großen Koalition. Aber es gibt dort auch Dinge, die sich bewegen können, wenn nur genügend Druck von unten aufgebaut wird. Wir wollen als Musiker den Leuten Mut machen, etwas zu tun und ich denke, dass wir dazu derzeit sehr gute Möglichkeiten haben.