Empörung über Prämien für Klinik-Überweisungen

Empörung über Prämien für Klinik-Überweisungen

Gesundheit: Ärzte sollen von Krankenhäusern Geld erhalten haben. Mediziner und Kliniken streiten über Verantwortung.

Berlin. Kliniken bezahlen angeblich immer öfter Ärzte, wenn sie ihnen Kranke zur Behandlung schicken. Medizinische Gründe stehen demnach in einer wachsenden Zahl der Fälle nicht allein im Vordergrund. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" lassen sich Klinken die Einweisung eines Patienten, der zum Beispiel eine neue Hüfte bekommt, bis zu 1000 Euro kosten.

Die Prämien wurden von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) an die Öffentlichkeit gebracht. Vor allem in Ballungsräumen sei die Konkurrenz unter den Kliniken groß, so die DGU. Die Häuser gingen zunehmend dazu über, Ärzte für Patienten mit bestimmten Diagnosen zu bezahlen.

Der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, kritisierte: "Die Opfer solcher Machenschaften sind in erster Linie die Schwerstkranken und Sterbenden." In ihren letzten Lebensmonaten würden sie im Schnitt fünf Mal zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her überwiesen.

Zwischen Ärzten und Krankenhäusern brach ein Streit über die Prämienzahlungen aus. "Das kann man Bestechung nennen", sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Er schätzt, dass nur 70 bis 80 Prozent der Überweisungen in Kliniken nicht zu beanstanden seien, der Rest bewege sich in einer "Grauzone". Verantwortlich dafür seien "in erster Linie die Krankenhäuser".

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, wies die Vorwürfe zurück. "Es sind vor allem die Ärzte, die im Verbund organisiert an Kliniken herantreten und gemeinsam Forderungen stellen." Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) fordert die zuständige Standesaufsicht der Länder auf, den Hinweisen nachzugehen.

Die neuen Vorwürfe reihen sich ein in eine Kette ähnlicher Vorhaltungen an die Adresse der Ärzteschaft. So sollen Ärzte Geschenke einer Pharmafirma angenommen haben, damit sie ihren Patienten ein neues Medikament verordnen. Red

Mehr von Westdeutsche Zeitung