Dokumente des Schreckens zeigen den Alltag im Irak-Krieg

Dokumente des Schreckens zeigen den Alltag im Irak-Krieg

Die Plattform berichtet von Willkür, Vergewaltigung und Folter zu Zeiten der US-Truppen im Land.

Washington. Innerhalb der US-Regierung wächst der Zorn über die Veröffentlichung von fast 400.000 bis dahin geheimen Dokumenten, die Missbräuche und Folter seitens der irakischen Sicherheitskräfte ebenso belegen wie die mangelnde Bereitschaft der US-Besatzungsmacht, einzugreifen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Außenministerin Hillary Clinton forderte die Betreiber der Enthüllungsplattform Wikileaks auf, die Dokumente sofort aus dem Internet zu nehmen, da sie ein "erhebliches Sicherheitsrisiko" für die im Irak verbliebenen US-Truppen darstellten.

Als "Maulwurf" wird der 22-jährige Bradley Manning vermutet, ein Geheimdienstexperte der US-Armee, der bereits einmal wegen des Downloads geheimer Militärdokumente verurteilt worden war.

Ende Juli hatte die in Schweden ansässige Organisation Wikileaks für Schlagzeilen gesorgt, als sie 90.000 Truppenmeldungen ins weltweite Netz stellte, die als Beweis dafür angesehen wurden, dass die US-Regierung die Lage in Afghanistan schöngeredet hatte und die amerikanischen Streitkräfte im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban immer mehr an Boden verloren hatten.

Die jüngsten Enthüllungen, die sich auf den Zeitraum von Anfang 2004 bis Ende 2009 beziehen, könnten aber wenige Wochen vor den Kongresswahlen der Glaubwürdigkeit von Präsident Barack Obama und führenden Demokraten schaden.

Die hatten nach dem Regierungswechsel in Washington versprochen, dass die USA sich im Umgang mit Kriegsgefangenen und Terrorverdächtigen an internationale Konventionen halten würden, Folter als Verhörmethode der Vergangenheit angehöre und man auch sicherstellen werde, dass irakische Sicherheitskräfte dieser Vorgabe folgen würden.

Genau das Gegenteil scheint aber die Fülle bisher geheimer Dokumente zu belegen, die vorab dem "Spiegel", der "New York Times", dem britischen "Guardian" und der französischen Tageszeitung "Le Monde" zur Auswertung zugespielt wurden.

Die in nüchternem Militärjargon geschriebenen Notizen, die größtenteils von Feldoffizieren unmittelbar nach einem Kampfeinsatz verfasst wurden, zeichnen ein verheerendes Bild von Gefechten mit Extremisten, Bombenanschlägen und dem Umgang mit Häftlingen. Die Täter waren meist Iraker, doch die Dokumente zeigen auch schwere Verfehlungen von US-Soldaten und deren Söldnern.

Demnach wurden Gefängnisinsassen brutal zusammengeschlagen, vergewaltigt und gefoltert. Sechs Zivilisten sollen an den unmittelbaren Folgen der Misshandlung gestorben sein. Unter anderem soll die Besatzung eines US-Kampfhubschraubers eine Gruppe von Aufständischen getötet haben, obwohl diese die Waffen gestreckt hatten.

Andere Akten berichten von der Tötung mehrerer hundert Zivilisten an Straßensperren, die von der US-Armee aufgestellt wurden. Auch entdeckte ein Militärarzt Einschuss- und Brandwunden sowie schwere Verletzungen an Menschen, bei denen die Armee zu Protokoll gegeben hatte, sie hätten Suizid begangen. Nach Darstellung von Wikileaks-Gründer Julian Assange belegen die Dokumente "ein Blutbad bisher unbekannten Ausmaßes".

Mehr von Westdeutsche Zeitung