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Der schrillste unter den Herrschern

Der schrillste unter den Herrschern

Gaddafi hält sich für unfehlbar. Im Zickzackkurs führte er Libyen in eine bizarre Volksrepublik.

Tripolis. Oberst Muammar al-Gaddafi ist nicht nur der dienstälteste, sondern auch der schrillste unter den arabischen Herrschern. Doch so unterhaltsam seine Camping-Aufenthalte in europäischen Parks auch sein mögen. Für die libysche Bevölkerung sind seine Eskapaden bitterer Ernst.

Gaddafi hält sich für unfehlbar. Am liebsten hätte er nach der Machtergreifung 1969 gleich die gesamte arabische Welt mit seiner Volksbefreiungsideologie beglückt. Doch die Araber zeigten ihm die kalte Schulter. Sie wollten weder von seiner islamisch getünchten Volksherrschaft etwas wissen, noch von seinem Plan, einen Staat „Isratin“ für Juden und Palästinenser zu schaffen.

Der Staatschef gilt als neurotisch und aufbrausend. Er hat sein Land in einem Zickzackkurs von der Monarchie in eine Tyrannei geführt, die er als Volksrepublik tarnt. Als einer der Hauptsponsoren des internationalen Terrorismus wurde Libyen gebrandmarkt. 2003 verkündete er dann, Terror sei sinnlos.

Belohnt wurde Gaddafi für diese Kehrtwende mit verbesserten Beziehungen zu mehreren westlichen Staaten. Besonders eng wurde der Kontakt zu Italien, wohl auch, weil sich Gaddafi und der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi gut verstehen.

Gaddafi liebt den Kult um seine Person. 2002 rollte er mit einem Konvoi aus 100 Fahrzeugen durch mehrere Länder Afrikas — dabei auch ein Kühllastwagen mit Ziegenfleisch. Beim Tankstopp verteilte er Autogrammkarten. Der Außenminister Mosambiks musste einen ganzen Tag an der Grenze auf seinen Gast warten: Gaddafi ging lieber zur Jagd.

Zu Staatsbesuchen reist der in goldbestickte Operetten-Uniformen oder wallende Beduinengewänder gekleidete Staatsführer mit Gefolge. Im August 2010 brachte er nach Rom 30 Berberpferde mit. Zu nächtigen pflegt er im Zelt, das er in Rom bevorzugt im Garten der Residenz seines Botschafters aufschlagen lässt.

Zum UN-Welternährungsgipfel 2009 in Rom bat er 200 per Hostessen-Service ausgewählte Römerinnen zu einer Islam-Belehrung. Die Damen sollten mindestens 1,70 Meter groß, bis 35 Jahre alt und elegant sein. Nach zwei Stunden Vortrag über den Islam gab es dann einen Koran.