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Der KZ-Terror reichte bis an den Rhein

Der KZ-Terror reichte bis an den Rhein

Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald auch im heutigen NRW.

Düsseldorf. Die Front rückte näher und bei vielen KZ-Häftlingen an Rhein und Ruhr keimte die Hoffnung auf, die Hölle des SS-Terrors doch noch zu überleben. Oft hörten die Häftlinge schon das Geschützfeuer der Alliierten. Doch dann schickte die SS die halbverhungerten Gestalten auf die berüchtigten Todesmärsche. Was lange vergessen war: Die Außenlager des KZ Buchenwald reichten hunderte Kilometer westlich bis an den Rhein.

Auschwitz, Buchenwald, Bergen-Belsen. Die großen KZ der Nazis sind im kollektiven Gedächtnis gespeichert. Aber wer kennt das KZ Berta in Düsseldorf, oder das KZ Messelager in Köln? Die SS hatte in der Endphase des „Dritten Reichs“ ihre Bedenken beiseite geräumt und inmitten westdeutscher Großstädte KZ-Außenlager errichtet. Die westlichsten Lager waren in Köln, Düsseldorf und Duisburg angesiedelt.

Bald konnten die Wachmannschaften ihrem Chef Heinrich Himmler berichten, dass die grausamen Lager auch in Großstädten betrieben werden konnten und die befürchteten Proteste der Bevölkerung ausblieben. Nach dem Krieg wollte man davon nichts wissen: Als die alliierten Besatzer in Düsseldorf nachfragten, ob es dort ein KZ gab, lautete die Antwort: nein.

So waren die Bewohner des schicken Neubaugebiets Grafental in Düsseldorf vor ein paar Wochen wie vor den Kopf gestoßen, als sie erfuhren, dass ihre neue Heimat auf einem ehemaligen KZ-Gelände hochgezogen wurde. Für die Produktion von Teilen für Hitlers V2-Raketen mussten dort hunderte Häftlinge Zwangsarbeit leisten — manche bis in den Tod. Sie hausten in Holzbaracken, die Füße mit Zementsäcken umwickelt.

„Es gab Exekutionen und Misshandlungen“, berichtet der Historiker Bastian Fleermann, Leiter der Düsseldorfer NS-Mahn- und Gedenkstätte. In der Landeshauptstadt wird nun überlegt, wie an die Geschehnisse erinnert werden kann. Wieviele Menschen im KZ Berta starben, ist unklar.

„Es herrschte strenges Fotoverbot — Bilder vom Gelände damals gibt es nicht“, berichtet Fleermann. Die Gedenkstätte hat dafür Gerichtsakten: In den 1950er Jahren war der Lagerkommandant Walther Knauf vor Gericht gestellt und zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

In Köln waren rund 1000 KZ-Häftlinge auf dem Messegelände am Rhein untergebracht. Sie mussten in den Kölner Straßen nach Bombenangriffen Trümmer beiseite räumen, Blindgänger und Leichen bergen. Aus dem KZ Sachsenhausen kamen hunderte Häftlinge etwa nach Duisburg und Düsseldorf, um in den SS-Baubrigaden für die Projekte von Rüstungsminister Albert Speer zu schuften.

In Essen unterhielt das KZ Buchenwald gleich zwei seiner 86 Außenlager: „Schwarze Poth“ und „Humboldtstraße“. Witten, Lippstadt, Gelsenkirchen, Bochum, Schwerte, Bad Godesberg, Büren — auch dort litten KZ-Häftlinge unter mörderischen Bedingungen.

Das KZ Niederhagen/Wewelsburg bei Paderborn wurde sogar zum eigenständigen KZ erklärt: Mehr als 1200 Todgeweihte arbeiteten dort für die SS in eigener Angelegenheit: am Ausbau einer zentralen Versammlungsstätte von Himmlers Mördertruppen. Dort schworen sich die SS-Führer auf den Vernichtungsfeldzug in der Sowjetunion ein.