Der Jemen macht Jagd auf Top-Terroristen von El Kaida

Der Jemen macht Jagd auf Top-Terroristen von El Kaida

Nach den Anschlagsversuchen machen die USA Druck. Sanaa kritisiert die Flugverbote.

Berlin/ Sanaa/ Washington. Vier Tage nach den versuchten Paketbombenanschlägen hat der Jemen am Dienstag eine großangelegte Militär-operation gegen Top-Terroristen gestartet. Mit ihrer Offensive wollen die Jemeniten nach Ansicht von Beobachtern eine mögliche Intervention amerikanischer Anti-Terror-Einsatzkommandos im Jemen verhindern.

Im Mittelpunkt der Suche stehen der Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri, der die Paketbomben hergestellt haben soll, und der von den USA gesuchte Hassprediger Anwar al-Awlaki. Er gilt als Vordenker der Terrorgruppe El Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Die von westlichen Ländern gegen den Jemen verhängten Flugverbote kritisierte die Regierung in Sanaa als "hastige und übertriebene Reaktion". Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Deutsche Flugsicherung ist vom Bundesverkehrsministerium angewiesen worden, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.

Neue Berichte über die Suchaktion nach der Paketbombe am East-Midlands-Airport in England verdeutlichen, dass ein Aufspüren des Sprengstoffs mit herkömmlichen Mitteln kaum möglich ist. Sechs Stunden lang habe ein Team aus Polizisten und Geheimdienstlern die Fracht in der Nacht zum Freitag untersucht, ohne etwas Verdächtiges zu finden, schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Der Einsatz sei bereits beendet gewesen, "als sich die Sicherheitsbehörden aus Dubai meldeten und den Briten rieten, gezielt nach einem Laserdrucker von Hewlett Packard zu suchen".

Angesichts der ausgeklügelten Konstruktion der Paketbomben aus dem Jemen hatten deutsche Sicherheitskreise von einer neuen Dimension der Bedrohung gesprochen. Der Sprengstoff PETN (Pentrit oder Nitropenta) war in den Kartuschen versteckt. Auch die Verkabelung des Zündmechanismus’ zeuge von hoher Professionalität.

Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC hat El Kaida schon Mitte September Möglichkeiten eines Anschlags in den USA durch Luftfracht getestet. Bei dem Testlauf seien Haushaltsgüter, religiöse Literatur und eine Computer-CD vom Jemen an eine Adresse in Chicago gesandt worden. Die Sendung sei entdeckt und durchsucht worden. Sie sei aber weitergeleitet worden, weil die Fracht keinen Sprengstoff enthalten habe.