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Der Ansturm auf Wulffs Verträge bleibt aus

Der Ansturm auf Wulffs Verträge bleibt aus

Die Akten geben keinen Aufschluss, ob die Kritik am Bundespräsidenten berechtigt ist.

Berlin. Ein halbes Dutzend grauer Aktenordner liegt auf dem Tisch, jeder identisch mit den anderen, jeweils genau 27 Seiten dünn. Alles Kopien, versteht sich, zur Einsicht für die Presse, aber unter strengsten Auflagen. Keine Fotos von den Dokumenten, bestenfalls vom geschlossenen Ordner, und wer das Handy zückt, um eine SMS zu lesen, wird umgehend ermahnt: Keine Bilder, bitte.

Seit Montag, 12 Uhr, dürfen Medien in der Anwaltskanzlei am Leipziger Platz im Zentrum Berlins Einsicht nehmen in die Unterlagen zum umstrittenen Hauskauf von Bundespräsident Christian Wulff. Viel schlauer dürfte dadurch niemand geworden sein.

Vielleicht liegt es an der effektiven Organisation, von einem Ansturm auf die Papiere kann jedenfalls nicht die Rede sein. Ein paar Kamerateams auf dem zugigen Platz warten vergeblich auf Andrang, um ein paar bewegte Bilder zu bekommen.

Im ersten Dokument, dem Kaufvertrag vom 1. Oktober 2008, sind die Namen der Verkäufer geschwärzt, aber die tun auch nichts zur Sache. Im wichtigsten Papier, dem Darlehensvertrag, ist die alleinige Unterschrift von Edith Geerkens ebenso eindeutig zu erkennen wie die von Bettina und Christian Wulff.

Keinen Aufschluss gibt die Seite aber darüber, ob Edith Geerkens Ehemann Egon den Vertrag nicht vielleicht doch eingefädelt und mit Wulff verabredet hat, wie Kritiker des Bundespräsidenten mutmaßen. Interessant bestenfalls, dass der Zinssatz handschriftlich von 4,5 Prozent auf 4,0 Prozent reduziert wurde, die monatliche Zahlung entsprechend von 1875 auf 1666 Euro.

Klar ist auch: Die am Sonntag von den Anwälten veröffentlichte Liste mit Urlauben der Wulffs bei vermögenden Freunden gibt keinen Aufschluss darüber, ob irgendwelche Gefälligkeiten des damaligen Ministerpräsidenten für seine Gastgeber eine Rolle spielten. Der Beweis des Gegenteils sind die Unterlagen aber auch nicht. So bleibt der laute Ruf nach Transparenz und Offenheit relativ folgenlos.