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Das Angebot des Plagiate-Jägers

Das Angebot des Plagiate-Jägers

Ein Uni-Professor will wissenschaftliche Arbeiten auf Zitate-Klau prüfen und für die Regierung Politiker ins Visier nehmen.

Dortmund. Wenn Uwe Kamenz von Plagiaten in Abschlussarbeiten spricht, hört man ihm den Abscheu förmlich an. „Sie sind eine Seuche, die man ausrotten muss“, sagt der BWL-Professor aus Dortmund. Ein Gegenmittel hat er auch schon. Er hat gemeinsam mit anderen Professoren die Software „Profnet“ entwickelt, die Uni-Abschlussarbeiten mit einer Datenbank wissenschaftlicher Texte abgleicht und im Internet nach identischen Passagen sucht.

„Es geht darum, alle neuen und auch alle bereits erschienenen Arbeiten in die Datenbank aufzunehmen und auf Plagiat-Indizien zu prüfen“, sagt Kamenz. Den Plan hatte er schon lange, doch bislang fehlte es an Aufmerksamkeit und Sponsoren. Erst die spektakulären Plagiatsfälle der vergangenen Monate, die unter anderem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das Amt kosteten, brachten den Professor auf eine Idee, mit der er die Öffentlichkeit doch noch für sein Projekt begeistern möchte.

„Ich habe Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) angeboten, dass ich 1000 Dissertationen von Politikern in ihrem Auftrag prüfe.“ Mit dieser Aktion wollte Kamenz einen Schock auslösen, der Studenten im ganzen Land das Plagiieren verleidet. 50 000 Euro sollte das Ministerium zahlen, damit zwei Mitarbeiter ein Jahr lang für die Bedienung der Software angestellt werden können. Schavan lehnte ab. Auch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) erteilte ihm eine Abfuhr. Noch in diesem Monat will Kamenz ihr ein neues Angebot machen.

Und bereits im September will er eine Rangliste mit 100 Politiker-Dissertationen veröffentlichen, die er zurzeit auf Plagiat-Indizien überprüft. Insgesamt hatte Kamenz 400 Politiker angeschrieben und um die Zusendung ihrer Doktorarbeiten gebeten. Nur acht kamen der Aufforderung nach, darunter kein Bundespolitiker. Der Professor besorgte sich daraufhin mehr als 60 Politiker-Arbeiten per Fernleihe.

Uwe Kamenz hat die Vorstellung, dass irgendwann sämtliche Universitäten ihre wissenschaftlichen Texte in seine Datenbank einspeisen und jede abgegebene Abschlussarbeit — von der Bachelorarbeit bis zur Habilitation — automatisch überprüft wird. Nach einer Studie werden in Deutschland bislang nur 17 Prozent der abgegebenen Arbeiten überhaupt auf Plagiate geprüft. In jeder zehnten werden die Universitäten fündig.

Doch „Profnet“ gilt längst nicht bei allen als das Modell der Zukunft. Die Plagiate-Forscherin Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin beschreibt das Programm als kompliziert und zeitraubend. Zudem sagt sie: „Ich finde die Vorgehensweise unseriös wegen dieser marktschreierischen Zusicherung.“

Uwe Kamenz lässt sich nicht beirren. Aus seiner Sicht muss die Wissenschaft mit drastischen Maßnahmen wachgerüttelt werden. „Plagiate sind bislang ein Thema, worüber an Universitäten nicht geredet wird.“