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Coronavirus: Deutsch-chinesische Familie bangt um Ausreise

Coronavirus : Deutsch-chinesische Familie bangt um Ausreise aus China

Der Burscheider Mike Gutjahr lebt mit Frau und Sohn in der vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan. Jetzt will er am liebsten nichts wie weg.

Die Weihnachtstage und den Jahreswechsel hatten Mike Gutjahr (43) aus dem bergischen Burscheid und seine chinesische Frau Xue Jiao Zhu (30) samt Sohn Dean (2) noch mit der Familie im Urlaub in Österreich verbracht. Als sie am 2. Januar den Rückflug in ihre chinesische Heimatstadt Wuhan in der Provinz Hubei antreten wollten, schickte ihnen Gutjahrs Mutter Ulrike Elstermeier noch das Foto eines ersten Zeitungsberichts über eine rätselhafte Lungenkrankheit in Wuhan zum Flughafen. Heute sagt sie: „Hätte ich da schon Genaueres gewusst, hätte ich sie gar nicht abreisen lassen.“

So kehrte Gutjahr mit seiner Familie in die Millionenstadt zurück, wo er mit seiner Frau ein privates Center zur Kinderbetreuung betreibt. Mehr als 300 Kinder zwischen drei und zehn Jahren lernen dort in den Nachmittags- und Abendstunden Englisch, nehmen an Sport- und Spielaktionen oder Malkursen teil. „Am 20. Januar ist mein Sohn mit seiner Familie dann mit dem Zug zu den Schwiegereltern nach Chengdu gereist, um dort das Neujahrsfest zu feiern.“ Was die Mutter so aufregt: Im Zug habe es auf der 1200 Kilometer langen Strecke keinerlei Informationen zu Vorsichtsmaßnahmen wegen des Coronavirus gegeben. „Und da waren Millionen aus Wuhan unterwegs, um ihre Familien zu besuchen.“

Ihr Sohn habe vor allem Sorge gehabt, wegen der Herkunft aus Wuhan in eines der überfüllten Krankenhäuser gesteckt zu werden. „Wenn wir das Virus noch nicht haben, kriegen wir es dort“, habe er zu seiner Mutter gesagt. Inzwischen sind er und seine Familie von den Behörden in Chengdu kontrolliert worden. Weil sie aus der vom Virus am stärksten betroffenen Stadt stammen, ist ihnen untersagt worden, die Wohnung der Schwiegereltern zu verlassen. An eine Rückkehr nach Wuhan ist vorerst nicht zu denken. Ihr dortiges Betreuungscenter liegt lahm.

Die Mutter steht in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt

Aber zurück nach Wuhan will die Familie derzeit ohnehin nicht. Viel lieber würde sie sich in Sicherheit bringen und wieder nach Deutschland reisen. Aber das wird nicht so einfach werden. „Seit vergangener Woche Samstag stehe ich in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt“, sagt Ulrike Elstermeier. Dort habe man sie zunächst beruhigen wollen. Da sich ihr Sohn momentan nicht in Wuhan selbst befinde, sei er ja in Sicherheit. „Aber die Chinesen geben nicht alle Informationen heraus“, ist sich die Mutter sicher.

Laut ihrem Sohn ist überall Militär zu sehen und auf den Straßen herrscht kaum Verkehr. Dirk Gutjahr hat sich Anfang der Woche beim Auswärtigen Amt registrieren lassen, nachdem bekannt wurde, dass die Luftwaffe Mittwoch oder Donnerstag rund 90 Deutsche ausfliegen soll. Entgegen der Anweisung, die Wohnung nicht zu verlassen, habe er auch das deutsche Konsulat in Chengdu aufgesucht. Dort habe man ihm beschieden, dass die Ausreise für ihn wohl kein Problem werden dürfte. Welche Regelungen für seinen deutsch-chinesischen Sohn gelten, will Gutjahr am Mittwoch mit der chinesischen Botschaft klären. Schwieriger wird es dagegen wohl für seine Frau Xue Jiao Zhu. Als Chinesin hat sie wahrscheinlich derzeit kaum Aussicht auf Ausreisegenehmigung und Visum.

Das Auswärtige Amt hat mittlerweile eine Teilreisewarnung ausgesprochen. Darin heißt es zwar noch: „Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt.“ Aber es ist unter anderem auch zu lesen: „Vor Reisen in die Provinz Hubei wird gewarnt. Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste. Beziehen Sie die genannten Einschränkungen in Ihre Reiseplanung ein und prüfen Sie gegebenenfalls eine vorzeitige Abreise.“

Am Montag hat Ulrike Elstermeier erneut mit dem Auswärtigen Amt telefoniert. Sie fürchtet, dass nur die Deutschen zurückgeholt werden, die sich derzeit noch in Wuhan aufhalten. Auf die Flugkosten komme es nicht an, hat sie daher ihrem Sohn gesagt. „Hauptsache, dass sich niemand ansteckt.“